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Vortrag einer jüdischen Religionslehrerin in der 9. Jahrgangsstufe 

Mit den Worten „Grüß Gott“ empfängt Frau Rychlá uns Maria-Ward-Schülerinnen am 24.04.2017 in der Aula. Frau Rychlá beginnt ihren Vortrag, indem sie uns auffordert, für unseren Glauben einzustehen wie einst Mary Ward, die sie selbst sehr bewundert, da wir die Zukunft sind, auch die Zukunft unserer katholischen Religion.

Frau Rychlá ist Mutter von zwei Töchtern, Jüdin, Religionslehrerin, Schriftstellerin und geschieden. Scheidung und weitere Hochzeiten sind im Gegensatz zum Christentum im Judentum möglich; es ist nur eine vom Rabbiner durchgeführte Scheidung nötig. Das Brautkleid einer jüdischen Frau ist meist jungfräulich weiß, zudem trägt sie einen Schleier, dessen Wurzel biblisch-jüdisch ist. Mischehen sind gesetzlich verboten angesichts der auftretenden Schwierigkeiten bei der Erziehung von Kindern. Deshalb heiraten diese Paare, deren Anzahl leider hoch ist, nur standesamtlich. Es gilt, dass die Kinder einer Jüdin automatisch auch jüdisch sind, da die Frau für die Zugehörigkeit zum Volk und für die Erziehung der Kinder zuständig ist.


Konversion zum Judentum ist möglich, braucht aber seine Zeit. An die drei Jahre kann es dauern, bis man ein vollwertiger Jude ist. Ein Austritt ist jedoch unmöglich, denn es gilt „einmal Jude, immer Jude“.

Am Schabbat ist es das höchste Gebot auszuruhen. So „müssen“ Kinder nicht für die Schule lernen, dafür können sie zum Beispiel lesen oder sich mit der Thora auseinandersetzen, aber sie dürfen nicht malen oder basteln, weil dies als schöpferische Tätigkeit angesehen wird. Dadurch, dass Muttersein als wichtige Pflicht angesehen wird und nicht als Arbeit, sind Mütter vom Gebet freigestellt, wenn sie sich um Kinder kümmern.

Koscher zu essen ist nicht so schlimm wie vermutet. Fleisch spielt auch in der jüdischen Küche eine wichtige Rolle, da sich viele Juden während der Woche vegetarisch, vor allem von Fisch, ernähren, um dann die Schabbat-Mahlzeit mit Fleisch zu genießen. Fleisch ist aber auch gleichzeitig ein Problem: Juden dürfen kein Blut essen, weil sie dieses als Sitz des Lebens und der Seele ansehen.

Dieses Jahr begehen alle Protestanten weltweit 500 Jahre Reformation. Auch das Judentum kennt die Spaltung der Glaubensgemeinschaft. Mit der Französischen Revolution wurden auch den Juden Menschenrechte zugesprochen. Sie feierten ihren Auszug aus dem isolierten Ghetto, mit dem auch ein Wandel und Umdenken bei vielen begann. Der Wunsch nach Orgelmusik am Schabbat, was gegen die Gesetze ist, sowie andere Veränderungen führten zu der noch heute notwendigen Unterscheidung zwischen liberalen und orthodoxen Juden.

Nächstenliebe ist den Juden ein großes Anliegen: So gibt es die Gemeindesteuer, die gemeinnützig verwendet wird, einen jüdischen nationalen Fond, die WIZO (Women’s International Zionist Organisation), Armenküchen und noch vieles weiteres.

Nachdem die letzten Fragen gestellt waren, sang Frau Rychlá uns die Engelshymne, ein Schabbatlied, vor und so ging der Vortrag /die Fragerunde zu einer der ältesten Religionen der Welt zu Ende. Frau Rychlá beantwortete unsere Fragen, erzählte uns von ihrer Religion und ließ dabei Anekdoten aus ihrem persönlichem Leben einfließen. Die Maza, das jüdische ungesäuerte Pessach-Brot, knabbernd verließen die Schülerinnen der 9.Jahrgangsstufe die Aula. Wir bedanken uns sehr herzlich für diesen interessanten Vortrag.

Regina Ziegler, G 9b