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Mit Sprache Wirkung erzielen!
Workshop mit 25 Schülerinnen, Ch. Pelster-Leubner und J. Grießer

Jugendliche möchten mehr lernen, als sie in unserer Schule über den üblichen Fächerkanon vermittelt bekommen.

Sie möchten die Welt verstehen, die wir Erwachsenen gerade aktuell selbst oft nicht verstehen. Und sie möchten auf diese manchmal konfuse Welt Einfluss nehmen können bzw. auch das Handwerkszeug haben, diese mitgestalten zu können. Auf diesem Hintergrund interpretieren wir das große Interesse an unserem Workshop 'Mit Sprache Wirkung erzielen'.

Das Wetter an diesem 1. April 2017 ist wunderbar, in der kommenden Woche stehen wichtige Klausuren an - dennoch sind 25 Schülerinnen der Q11 und zwei Lehrerinnen an einem sonnigen, unterrichtsfreien Samstag in der Schule zu finden, und versuchen der Macht der Sprache näher zu kommen. Damit jede Schülerin möglichst viel mitnehmen kann, ist der Workshop als eine Art Stationenlauf organisiert.

In der ersten Station, dem sogenannten Leseraum, setzten sich die Schülerinnen mit zum Teil sehr anspruchsvollen Texten auseinander. In den Texten geht es u. a. um die angeschlagene Debattenkultur in Deutschland, um Trumps Verbalattacken und seine erniedrigenden Ausfälle gegenüber Frauen. Weitere Texte beschäftigen sich mit den unterschiedlichen Kommunikationsstrategien von Männern und Frauen. Liebe Lehrer, liebe Eltern: wenn ihr das sehen würdet, wie sorgfältig und interessiert hier gelesen wird! Und anschließend wird ebenso engagiert darüber debattiert!

In der zweiten Station wird in der Aula in einer praktischen Übungen ausprobiert wie wichtig eine Struktur für einen Rede ist. Unsere Erfahrung scheint nahezulegen, dass jede Schülerin unserer Schule einmal ganz allein vorne auf der Bühne der Aula stehen und eine Rede halten sollte! Unsere Kursteilnehmerinnen haben es sich schon getraut und man hat sie sogar bis in die letzte Reihe der Aula - ohne Mikro (!) - gehört. Das Thema der Stegreifrede heißt 'Time to say goodbye' Die Mädchen sollen sich vorstellen, wie sie an ihrem letzten Schultag eine Abschiedsrede an das Kollegium halten. - Und da wird es dann bei aller Struktur z. T. ganz schön emotional…


In der dritten Station, dem Debattentraining, entwickeln sich hitzige Wortgefechte über eigentliche Spaß-Fragen wie 'Soll Frankreich mit Käse überbacken werden?' oder 'Sollen Nachrichten gesungen werden?' Wie wichtig Mimik auch in Debatten ist, haben einige bisher nur erahnt. In Zukunft heißt es: kein schräg gelehnter Kopf mehr - wir sind keine kleinen Mäuschen!

Die Mädchen sind so aktiv und begeistert dabei, dass wir als Organisatorinnen des Workshops es auch fast ein wenig schade finden, als die drei Stunden vorbei sind. “Eigentlich habe ich nichts zu kritisieren, außer dass es mir zu kurz war.” formulierte es ein Mädchen. Und: “Können wir die Texte haben?” - Unsere Reaktion: “Wirklich? Ihr wollt alle zehn Texte?!”

Unser Fazit: Manchmal hat man doch Glück, trifft den Nerv und alle sind interessiert am Ball zu bleiben, weil ein Aspekt oder auch ein Gedanke sie gepackt hat.

Am Ende sind wir dann doch aber auch alle miteinander froh, als wir die Schule wieder verlassen können und sogar immer noch die Sonne scheint! Und nach den Osterferien geht es weiter: eine Gruppe von Schülerinnen aus den 10. Klassen wird sich ebenfalls mit der Macht der Sprache beschäftigen.

Weibliche Sprachlosigkeit? - Nein, danke!

Christel Pelster-Leubner, Julia Grießer