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„Erlauben Sie, dass ich schweige…“  - Gerd Berghofer liest und spricht verbrannte Dichter

So hatten sich am 10.02.2017 nach der großen Pause Schülerinnen der 9. Klassen und der Q12 in der Aula versammelt, um dem Vergessen entgegenzutreten und die verbrannten Dichter dieser Zeit zu würdigen.

Denn….

"Die Feuer brannten. Auf dem Opernplatz in Berlin. Auf dem Königsplatz in München. Auf dem Schlossplatz in Dresden. Vor der Bismarcksäule in Dresden. Auf dem Römerberg in Frankfurt. Sie loderten in jeder deutschen Universitätsstadt."

So beschreibt Erich Kästner selbst die späten Abendstunden des 10.Mai 1933.

Brennende Scheiterhaufen erhellten deutschlandweit die zentralen Plätze der Universitätsstädte. Große Menschenmengen waren aufmarschiert, um Bücher zu verbrennen – sie „den Flammen zu übergeben“ wie es überall laut gerufen wurde. Studenten in SA-Uniform schleuderten Werke Hunderter Schriftsteller, Wissenschaftler und Publizisten in die Flammen. Die Bücherverbrennungen waren Höhepunkt der zentral gesteuerten Aktion, die den Namen  "Wider den undeutschen Geist" trug.

Insgesamt sind Bücher – also Worte, Gedanken, Gefühle - von mehr als 300 Philosophen, Wissenschaftlern, Lyrikern, Romanciers und politischen Autoren betroffen - ein "Holocaust of Books", wie die amerikanische Illustrierte "Newsweek" damals schreibt.
Als vor fast 84 Jahren, im Mai 1933, die Bücher brannten, wollten die  Nazis diese  unerwünschten Autoren mundtot machen, sie wollten sie aus den Bücherregalen und aus den Gedächtnissen der deutschen Bevölkerung verbannen. Leider ist es ihnen bei vielen sogar geglückt: Etliche der Autoren oder Texte kennt heute niemand mehr.

Der Publizist und Rezitator Gerd Berghofer entreißt mit seinem Programm jene Autoren jedoch dem Vergessen.
Und das auf überaus bewegende und spannende Weise! Gedichte, Briefe und Prosa der verbrannten Dichter trug er kraftvoll aus dem Gedächtnis vor.
Ausgesprochen starke und emotionale 90 Minuten erwarteten die Schülerinnen - mit einem Rezitator, der völlig frei und ohne Manuskript alle Anwesenden in seinen Bann zog!
Wer befürchtet hatte, dass es ein rein informativer Vormittag werden würde, wusste schon nach den ersten Worten von Berghofer, dass er sich geirrt hatte.

Wir danken Herrn Berghofer sehr, dass er mit uns die Zeit hatte, dem Vergessen entgegenzuwirken und Persönlichkeiten wie Erich Kästner, Oskar Maria Graf oder Else Lasker-Schüler für kurze Zeit wieder zum Leben zu erwecken.

Im Namen der Fachschaften Deutsch und Geschichte
Kathrin Doepner