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Compassion – ein Sozialpraktikum der 10. Klassen

Voller Neugier und Interesse lauschten in den vergangenen Wochen sowohl Mitschülerinnen wie Lehrkräfte den Berichten der Schülerinnen der 10. Klassen als diese nach ihrem Compassion-Praktikum ihre Einsatzstelle und ihre Tätigkeit dort vorstellten.

Vom 23. Januar bis 03. Februar engagierten sich die Schülerinnen für sozial benachteiligte Mitmenschen unserer Gesellschaft.

Es handelt sich um ein Praxis- und Unterrichtsprojekt, das unter dem Leitwort: „aktive Mitmenschlichkeit – gelebte Solidarität" steht. Der Begriff „Compassion", der aus dem Amerikanischen kommt und „Mitleiden, Empfindsamkeit für das Leid des anderen zeigen" meint, bezeichnet die solidarische Haltung all denen gegenüber, die in ihren Möglichkeiten als Mensch durch Krankheit, Behinderung, Alter und Notsituationen eingeschränkt sind und Leid erfahren. Angezielt werden soziales Nachdenken und solidarisches Handeln in einer Gesellschaft, die als zunehmend entsolidarisiert erlebt wird.

In Krankenhäusern, Seniorenheimen, integrativen Schulen und Kindergärten, der Münchner Tafel, Flüchtlingsarbeit und vielen mehr wurden die Lebenssituationen hautnah erlebt und erfahren. Die Fachlehrkräfte standen dabei als betreuende Ansprechpartner zur Verfügung, vielfach waren sogar Besuche vor Ort möglich. Bei einem gemütlichen Treffen am Montagabend der zweiten Praktikumswoche wurden bereits rege Erfahrungen ausgetauscht, die am Montag nach der Praktikumszeit in der Schule reflektiert und aufgearbeitet wurden und schließlich in einem gemeinsamen Workshop-Gottesdienst mündeten, der von Pfarrer Bauer zelebriert wurde. Dabei wurden durch die Schülerinnen Texte formuliert, die ihre Erfahrungen und Erlebnisse widerspiegeln:


Compassion-Projekt
– ein Erfahrungsbericht –
von hohen Mauern und offenen Türen


Ich verbrachte meine zweiwöchige Compassion-Zeit in einem Altenheim. Von Anfang an war ich überrascht, dass viele Bewohner sehr aktiv waren und bei allen angebotenen Programmen voller Eifer mitmachten. Diese Leute erschienen mir zufrieden. Gewissermaßen öffneten sie eine Tür. Obwohl sie alt und teilweise schwach waren, nahmen sie alles wahr und waren voller Freude.


Auf der anderen Seite gab es auch sehr viele Bewohner, die Mauern bauten, die sich in ihren Zimmern verkrochen und die Pfleger abwiesen. Das machte mich nachdenklich: Werde ich auch einmal so werden, ein „Mauer-Bauer“, der sich von der Welt abgrenzt? Zudem stellte ich mir die Frage nach dem Warum. Sind diese Leute vielleicht besonders einsam, haben sie schlechte Erfahrungen gemacht oder ist das einfach ihr Charakter?


Die Mauer-Bauer wirken so hoffnungslos, so als würden sie nur noch auf ihr Ende warten, anstatt die restliche Zeit schön zu verbringen. Denn dass im Altenheim bald das Ende naht, das bekommt jeder durch die täglich kommenden Krankenwagen zu spüren. Somit wurde es für mich zu einem Erfolg eine alte Dame dazu zu bewegen, aus ihrem Zimmer zu kommen und an einem Bingo-Spiel teilzunehmen.


Als diese Frau nun unten beim Spiel saß, wurde mir klar, wie wichtig der Job der Betreuer ist. Er ist nämlich mehr als nur mit den Leuten reden. Es ist vor allem auch das Hoffnung-Geben, die Lebensfreude schenken. So steht eine einzige Frau, die zu einem einfachen Bingo-Spiel geht, für das Abreißen der Mauern. Sie steht für den Kontakt, der aufgebaut wird, und für die Bedeutung des Berufes als Altenpfleger.


Louisa Fischer (G 10c, 2017)


Am Tag der Zeugnisausgabe am 28. Juli wird den Schülerinnen für ihr Engagement ein Zertifikat überreicht werden.

Für die vielen eindrucksvollen Erlebnisse danken wir an dieser Stelle den verschiedenen Praktikumsplätzen und wünschen Ihnen alles Gute bei Ihrer wertvollen Arbeit.

Christian Dicknether