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Vortrag über das Judentum

„Schalom!“, so begrüßte Frau Rychlá, eine jüdische Religionslehrerin, am 15.04.2016 die 9. Klassen zu ihrem Vortrag über das Judentum.

Frau Michaela Rychlá wuchs in der damaligen Tschechoslowakei auf. Ihre Eltern erzogen sie nicht religiös, daher kommt es, dass sie das erste Mal das Wort „Gott“ in der  7. Klasse im Geschichtsunterricht hörte.  Ihren Traum von einem Medizinstudium konnte sie sich aufgrund der Besetzung der Tschechoslowakei durch die Sowjetarmee im Jahre 1968 - nach dem Prager Frühling - nie erfüllen, da sie - wenn sie hätte studieren wollen - der kommunistischen Partei hätte beitreten müssen. Deshalb arbeitete sie nach ihrem Schulabschluss als Buchhändlerin. Dieser Beruf bereitete ihr aber wenig Freude. Als sie jedoch die Bibel ihrer Mutter fand, schöpfte sie durch den Glauben an Gott neue Hoffnung und wurde später in der Bundesrepublik - in der freien Welt - Lehrerin. Sie unterrichtet momentan an verschiedenen Schulen jüdische Religionslehre.


Eine unserer ersten Fragen war, ob sie immer koscher esse. Aus dem Religionsunterricht wissen wir, dass koscher bedeutet, nach bestimmten jüdischen Speisegesetzen zu leben. Nach dem Motto „Religion geht bis in die Küche hinein“  ist zum Beispiel der Verzehr von Schweinefleisch und Meeresfrüchten sowie von Produkten mit Geschmacksverstärkern und chemischen Zusatzstoffen verboten. Daher ist es häufig schwierig für Juden, Fertigprodukte zu kaufen, da diese sehr oft den jüdischen Speisegesetzen nicht entsprechen. Frau Rychlás Meinung dazu: „Zu Hause ist zu Hause, alles selbst zubereitet,  und da schmeckt es sowieso am besten.“

In Bezug auf die Vorschriften des jüdischen Essens berichtete Frau Rychlá uns von jüdischen Bräuchen und Festen. Eines der wichtigsten Feste im Judentum ist Pessach, welches an den Auszug der Israeliten aus Ägypten erinnert. Zum Gedenken an diesen Auszug wird eine Woche lang ungesäuertes Brot gegessen. Nach diesen sieben Tagen wird einem bewusst, wie gut das Brot schmeckt, und dass man heute unser Essen nicht mehr zu schätzen weiß. „Wer Brot wegwirft, wird irgendwann einmal mit bloßen Händen nach Brot kratzen…“. Dieses Zitat ihrer Mutter gab uns Frau Rychlá mit auf den Weg.
Wie im christlichen Glauben gibt es auch einen Ruhetag im Judentum. Am Schabbat, der am Freitagabend beginnt und Samstagabend endet, darf nicht gearbeitet werden und die ganze Familie geht zusammen in die Synagoge. Frau Rychlá bezeichnet den Schabbat als schönsten Feiertag im Judentum, da man an diesem Tag „Zeit hat, Mensch zu sein“.

Natürlich wollten wir auch wissen, wie der jüdische Religionsunterricht im Vergleich zu unserem abläuft. Frau Rychlá erklärte uns, dass der Unterricht für viele Schüler am Nachmittag stattfindet. Den jüngeren Schülern werden das korrekte Beten und die Struktur des Gottesdienstes sowie die jüdischen Bräuche beigebracht. Das Judentum im Nationalsozialismus,  d.h. die Holocaust-Katastrophe, wird erst in der 10. Klasse thematisiert.
Frau Rychlá berichtete uns daraufhin einiges über Antisemitismus und Judenverfolgung  im Laufe der Geschichte, wobei sie auch Bezug zur aktuellen Lage in Israel nahm.

Der absolute Höhepunkt des schon bis dorthin spannenden Vortrages war das hebräische Lied zu Ehren der Schabbat-Engel, das uns Frau Rychlá selbst vorsang.
Wir bedanken uns sehr herzlich bei Frau Rychlá für ihren sehr informativen und spannenden Vortrag. Mit ihrer humorvollen und offenen Art verschaffte sie uns einen besseren Einblick in das Judentum. Unser Dank gilt auch Herrn Bauer, der dies alles erst ermöglicht hat.

Johanna Obermeier und Antonia Pratsch (G 9a)