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Schulgeschichte – zeitnah erlebt

Ende November 2015 erhielt der Schulleiter, Herr Dr. Gruber, von einer ehemaligen Schülerin einen Brief, in dem sie anbot, aus Verbundenheit mit ihrer ehemaligen Schule ein wertvolles Erbstück dem Erzbischöflichen Maria-Ward-Gymnasium Nymphenburg zukommen zu lassen.

Bevor jedoch auf dieses wertvolle Erbstück Bezug genommen werden kann, soll zunächst die Spenderin vorgestellt werden: Frau Dietlinde Barnhöfer hat in den 1960-er Jahren unsere Schule besucht, ebenso wie ihre beiden Schwestern, die hier ihr Abitur bzw. ihre Mittlere Reife absolviert haben. Alle drei Schwestern haben sich in dieser Schule sehr wohl gefühlt, die ihr Vater mit Bedacht ausgewählt hat.

Frau Barnhöfer ist allerdings erst nach der zehnten Klasse in unsere Schule gekommen, nachdem sie vorher in einer anderen Einrichtung ihre Mittlere Reife mit einem exzellenten Abschluss erworben hatte. Sie sollte in unserer Schule quasi in einem Crash-Kurs die gymnasialen Lehrplaninhalte in Englisch, Mathematik und auch Latein, obwohl sie noch nie in Latein unterrichtet worden war, nachholen.

Dieser ehrgeizige Plan erwies sich allerdings als illusorisch, weil dieses Lernpensum gar nicht zu schaffen war. Aber ihr Vater, der sich in besonderer Weise dem Orden der „Englischen Fräulein in München-Nymphenburg“ verbunden fühlte, hatte diesen Unterrichtsplan zusammen mit der damaligen Direktorin, Mater Hereswitha Hengstl, entworfen. Frau Barnhöfer erinnert sich noch lebhaft und voller Dankbarkeit an die damalige Direktorin sowie an einige Schwestern wie Schwester M. Judith, Schwester M. Ingeborg und vor allem Schwester M. Columba, die sie offensichtlich auch einmal an ihrem angestammten Urlaubsort auf einer Hallig in Norddeutschland besucht hat.

Dem Vater der Spenderin, der als ordentlicher Professor an der Technischen Universität München das damals noch völlig unbekannte Fach Lebensmitteltechnologie  auf den Weg gebracht und wichtige Forschungserfolge im Zusammenhang mit der Verpackung von Lebensmitteln erzielt hat, wurden daher mehrere Ehrendoktortitel verliehen, so dass er den Titel trug: „Prof. Dr. mult. Heiss“.

Als Naturwissenschaftler interessierten ihn in besonderer Weise aber auch religiös-theologische Frage- und Problemstellungen, so dass sich ebenfalls von dieser Perspektive her die Wahl unserer Schule für seine drei Töchter erklärt. Alle drei Schwestern tragen norddeutsche Vornamen, wie z. B. „Swantje“, was sich wiederum mit der Vorliebe der Mutter für den norddeutschen Dichter Hermann Löns erklärt.

Der Vater unserer ehemaligen Schülerin, der großen Wert auf die religiöse Sozialisation seiner drei Töchter legte, zeigte sich auch im Bereich der religiösen Kunst sehr interessiert: So erzählte mir Frau Barnhöfer bei Kaffee und Weihnachtsplätzchen in ihrem Haus in Puchheim, dass ihr Vater immer großen Wert darauf gelegt habe, das Haus der Familie mit religiöser Kunst zu schmücken:

Daher erhielt unsere Spenderin in den 1980-er Jahren ein wertvolles Kreuz von ihrem Vater geschenkt, das den gekreuzigten Jesus und seine um ihn trauernde Mutter, die Gottesmutter Maria, zeigt. Dieses Kreuz, das schätzungsweise 200 Jahre alt ist, gibt jetzt Frau Barnhöfer an unsere Schule als Erinnerung für die glückliche Schulzeit ihrer beiden Schwestern weiter, wobei sie auch ihre eigene Ausbildungszeit an dieser Schule miteinbezieht, für die sie sich, wie sie im Gespräch äußerte, immer noch dankbar zeigt. Noch heute amüsiert es sie, dass die ehemalige Direktorin bei Stegreifaufgaben, die im Fach Latein zu schreiben waren, während der ganzen Zeit konsequent auf den Fußboden geschaut habe, was aber ihrer Erinnerung nach von den Schülerinnen nur ein wenig ausgenutzt worden wäre.

 

 

Die Schwestern, die Frau Barnhöfer begleitet haben, hätten ihr sehr viel gegeben und sich sehr engagiert für ihr Weiterkommen eingesetzt. Sehr gerne erinnert sich unsere ehemalige Schülerin auch noch der damaligen Mitschülerinnen, die sich voller Empathie um sie  als die neue Schülerin gekümmert hätten.

Dieses Erbstück wird im Eingangsbereich der Schule einen besonderen Platz gegenüber dem großen Kreuz erhalten, und zwar auf einem Sockel, auf dem bis zur Übergabe der Schule an das Erzbischöfliche Ordinariat München und Freising im Jahre 2006 eine Figur des Erzengels Gabriels stand, dem damals die Schwestern einen neuen Platz im Kloster gegeben haben.

 

 

Ich bedanke mich bei Frau Barnhöfer für diese großzügige Gabe, für die anregende Unterhaltung sowie die Kaffee-Einladung nach Puchheim.

Sehr gerne werden wir die Spenderin und ihren Ehemann nach den Weihnachsferien zu einer Hausführung einladen.

Dr. Jürgen Schmelter