Mit Mo Asumang über den Tellerrand schauen

„Wir leben in bewegten Zeiten, da gilt es genau hinzuschauen!“ forderte Frau Müller die Schülerinnen der 9. und 10. Klassen an diesem Vormittag auf.

Am 26. November war auf ihre Einladung Mo Asumang zu Gast in unserer Schule, um den Film „Die Arier“ vorzustellen und mit den Mädchen darüber in Gespräch zu kommen. Hannah Ziegler als Schülersprecherin griff Frau Müllers Worte auf und bat eindringlich alle anwesenden Schülerinnen darum, sich nicht nur für ihre eigene kleine Welt zu interessieren, sondern über „den Tellerrand“ zu schauen.

Sie begrüßte die Referentin und bedankte sich bei der Schulleitung dafür, dass diese Veranstaltung überhaupt stattfinden konnte. Herr Dr. Gruber stellte Mo Asumang so vor, dass man neugierig auf sie wurde. Ihr Film ist für den Grimme-Preis nominiert, sie hat mit dem Film „Roots Germania“ schon einige Preise gewonnen, aber sie ist auch Schauspielerin, Synchronsprecherin, Autorin und Moderatorin.

Frau Asumangs Vater stammt aus Ghana, ihre Mutter ist Deutsche. Durch ihre Hautfarbe wurde sie oft zur Zielscheibe von Witzen, Sprüchen und Anfeindungen. Eines Tages hat der Gedanke sie nicht mehr losgelassen, den Dingen auf den Grund gehen zu wollen.

„Warum glauben andere – vor allem (Neo-) Nazis – daran, dass sie besser sind, dass ich schlechter bin? Für sie bin ich nicht arisch und damit weniger wert“. Sie wollte herausfinden, was es eigentlich mit den Ariern auf sich hat. In ihrem Film nähert sie sich der Neo-Nazi-Szene in Deutschland und spricht auch mit Vertretern des Ku-Klux-Klans in den USA. Im Iran kommt sie der Bezeichnung „Arier“ näher – die Vorfahren der Perser im Iran heißen so! Mit blauen Augen und blonden Haaren hat das wenig zu tun.

Der Film berührt, er bringt unterschiedliche Gefühle zum Ausdruck. Frau Asumang versucht immer ein persönliches  Gespräch zu führen. Das ist ihre eigene und persönliche   Herangehensweise. Das hat manchmal etwas Demaskierendes, manchmal schämt man sich als Zuschauer für die Unverschämtheit der Interviewpartner, die Farbige mit Affen im Zoo vergleichen oder die der Filme- macherin  ein Flugticket nach Afrika besorgen wollen.

Die anschließende Diskussion bewies, dass die Schülerinnen sehr genau hingeschaut hatten. Mo Asumang konnte sich kaum retten vor all den Fragen. Die etwa 200 Mädchen zeigten, dass sie viel Neues erfahren hatten  und nun Einiges noch genauer wissen wollten.

Der Schlussapplaus spiegelte wider, wie beeindruckt alle von dieser Frau waren, die trotz vieler negativer Erlebnisse (bis hin zu Morddrohungen) nicht etwa resigniert oder verbittert wirkte.  Sie warb im Gegenteil dafür, unsere Demokratie aktiv  mitzugestalten.

Wer Lust hat, gleich aktiv zu werden, kann sich an die Tellerrand-Gruppe wenden. Sie ist aus dem SMV-Seminar entstanden und will sich mit den Themen Ausgrenzung und Rassismus beschäftigen. Etwa 15 Mädchen der Jahrgänge 9 bis 12 sind bereits Mitglied, Ansprechpartnerinnen sind Hannah Ziegler oder Frau Müller und Frau Leubner.

Christel Leubner

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