12. Bundesdeutscher Vorlesetag „Große lesen für Kleine“

Auch in diesem Jahr beteiligte sich das Erzbischöfliche Maria-Ward-Gymnasium Nymphenburg wieder am Bundesdeutschen Vorlesetag, der wie immer unter dem Motto steht: „Große lesen für Kleine“.

Während im letzten Jahr 80.000 Vorleserinnen und Vorleser am mittlerweile größten Vorlesefest in Deutschland beteiligt waren und den Kleinen ein wenig ihrer Zeit schenkten sowie Geschichten für sie lebendig werden ließen, ist in diesem Jahr die Zahl von über 100.000 Vorlesenden erreicht worden – ein stolzer Rekord.

Unter den zwei Millionen Zuhörerinnen und Zuhörern, denen vorgelesen wurde, befanden sich auch die Schülerinnen unserer vier fünften Klassen, die an diesem Tag in der fünften und sechsten Stunde in die Aula eingeladen worden waren. Während in den beiden letzten Jahren prominente Gäste vorgelesen haben – im Jahre 2013 Frau Dr. Krump, die Ordinariatsdirektorin, die für alle kirchlichen Schulen in unserem Bistum die Verantwortung trägt, und im Jahre 2014 Bischofsvikar Rupert Graf zu  Stolberg –, stellten sich in diesem Jahr sechs Oberstufenschülerinnen meines Deutsch-Kurses der Q 11 im Rahmen einer „Kreativ-Aufgabe“ dieser Verantwortung, wobei es neben dem Vorlesen gerade darum ging, unsere jungen Schülerinnen in die Lesung einzubeziehen und zu aktivieren.

Auch in diesem Jahr wurden wieder in die Vorleseaktion aktuelle Preisbücher, die sich im Wettbewerb des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises durchgesetzt haben, einbezogen. Da allerdings nicht alle prämierten Bücher für die Gruppe der Zehn- bis Zwölfjährigen  geeignet waren, wurde auch ein Buch, das bereits im Vorjahr prämiert worden war, eingesetzt:

Dieses Buch stammt von der irisch-britischen Autorin Siobhan Dowd und trägt den Titel „Der Junge, der sich in Luft auflöste“. Es erzählt davon, dass der kleine Ted von seiner Tante Gloria und seinem Cousin Salim besucht wird. Man unternimmt einen Ausflug zum Riesenrad in London. Da Salim bereits über eine Eintrittskarte verfügt, die anderen aber noch warten müssen, besteigt er schon einmal eine Gondel. Aber: Er kommt niemals unten an. Die Suche nach dem Cousin beginnt. Dabei steht vor allem Ted im Vordergrund, der von sich selbst sagt, dass sein Kopf nach einem anderen „Betriebssystem“ arbeite. Ted entwickelt neun Theorien im Zusammenhang mit dem Verschwinden seines Cousins, die er systematisch abarbeitet. Mit Erfolg?

„Operation 5 minus“, so heißt das in diesem Jahr preisgekrönte Buch, das als Nächstes präsentiert wurde. Geschrieben hat es die deutsche Autorin Charlotte Inden, die in Karlsruhe lebt und als Redakteurin bei einer Tageszeitung arbeitet. Das Buch beginnt mit einer Frage: „Was hilft gegen schlechte Noten? Die Tochter vom Mathe-Lehrer entführen … Das alles wäre nicht passiert, wenn Matze rechnen könnte. Dabei sitzt er über seinen Büchern, bis ihm die Zahlen vor den Augen verschwimmen. Ohne Erfolg. Deshalb gilt er in der Schule als versetzungsgefährdet. Da hat sein Freund Gogol eine wirklich blöde Idee: Man könnte doch die Tochter des Mathematik-Lehrers entführen. Und er kriegt sie erst zurück, wenn er Matze eine Vier gibt. So lange wartet das Mädchen in der Waldhütte, da gibt es sogar fließendes Wasser. Wie aus der albernen Idee auf einmal Ernst geworden ist, weiß hinterher keiner mehr. Doch plötzlich stecken die Jungen mittendrin in der ‚Operation 5 minus’. Wie kommen sie da bloß wieder heraus?“

Es handelt sich hier um eine überzeugende, im Stil an Erich Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“ erinnernde Geschichte über Freundschaft und Familie, an deren Ende die Jungen Verantwortung für ihre Tat übernehmen und einen Weg der Wiedergutmachung finden.

Als letztes preisgekröntes Buch wurde die Erzählung „Flora & Ulysses – Die fabelhaften Abenteuer“ vorgestellt: Es stammt von der amerikanischen Autorin Kate DiCamillo, die englische Literatur studiert hat und heute als freie Schriftstellerin in Minneapolis lebt. Dieses Buch erzählt Folgendes: „Ein ganz normales Eichhörnchen wird von einem Staubsauger der Marke ‚Ulysses’ eingesogen und von der zehnjährigen Flora gerettet. Fortan hat es einen Namen (Ulysses), eine Freundin (Flora) und Superkräfte. Zusammen erleben die beiden eine Reihe von fabelhaften Abenteuern, bei denen ein bissige Katze, eine in erster Linie um ihre Wohnungseinrichtung besorgte Mutter, eine vorübergehend erblindeter Junge sowie ein einsamer Vater eine große Rolle spielen“.

Wieder einmal beweist DiCamillo ihr Talent, ernste Themen sprachgewandt und humorvoll zu erzählen, urteilen die Kritiker. Warmherzig und mit Liebe zum Detail zeichnet die Autorin ihre Charaktere, die mit den unterschiedlichsten Verletzungen zu kämpfen haben. Den Kritikern gefallen auch die großflächigen Illustrationen und Comicstrips, die das Geschriebene ergänzen und die Figuren treffend beschreiben.

Im Einzelnen wurden die Bücher wie folgt vorgestellt: An die Information über die Autorin (Autoren waren in diesem Jahr wieder keine vertreten!)
folgte eine kurze Information über den Inhalt, den Preis und die Seitenzahl des Buches. Ohne das Wichtigste und Spannendste zu verraten, wurde dann der Inhalt des Buches etwas ausführlicher entfaltet. Eine Hinführung leitete dann die jeweilige Leseprobe ein.

Sehr gut kam dann bei unseren Schülerinnen der fünften Klassen die „Kreativ-Aktion“ an, die im Zusammenhang mit jedem Buch von meinen Oberstufenschülerinnen erarbeitet worden war: So ging es beispielsweise darum, die neun Theorien, die Ted entwickelt hatte, auf ihre Plausibilität zu überprüfen. Auch mussten Redensarten, die der kleine Ted dummerweise immer falsch verstanden hatte, erklärt werden, was sich als gar nicht einfach erweisen sollte. Im Zusammenhang mit dem Buch „Operation 5 minus“ erhielten die Schülerinnen die Aufgabe, bestimmte Situationen pantomimisch nachzustellen oder sich in die Protagonisten hineinzuversetzen. Nach der Vorstellung des Buches „Flora & Ulysses“ ging es dann darum, knifflige Rätselfragen zu beantworten.

Auf jeden Fall hat die Vorlese-Aktion unseren Schülerinnen großen Spaß bereitet und ließ die zwei Stunden wie im Fluge vergehen.

Mein großer Dank gilt den Schülerinnen des Deutschkurses (1D4) für ihr großartiges Engagement zugunsten unserer „Kleinen“.

Dr. Jürgen Schmelter