„Blumenmeer“ als Zeichen der Menschlichkeit und Gastfreundschaft

Auch die Erzbischöfliche Maria-Ward-Schule Nymphenburg – Gymnasium und Realschule – beteiligte sich am Mittwoch, den 29.04.2015, an der Solidaritätsaktion „Blumenmeer“, zu der die internationale katholische Gemeinschaft Sant’ Egidio aufgerufen hatte.

In der Klassenleiterstunde des Gymnasiums nahmen die fünften bis zehnten Klassen des Gymnasiums an dieser Solidaritätsaktion teil, an der sich auch verschiedene Klassen der Realschule beteiligten.

 

Zunächst stellten Frau Wucholt, die Leiterin der Realschule, und Herr Dr. Gruber, der Direktor des Gymnasiums, die politischen, gesellschaftlichen und sozialen Hintergründe dieser Migrationswelle heraus. Dabei betonte Frau Wucholt das Unglück, das viele Familien getroffen habe, die gerade ihrer Kinder wegen die waghalsige Flucht über das Meer gewagt hätten.

Herr Dr. Gruber stellte heraus, dass in erster Linie die europäische Gemeinschaft, deren Fundament der Gedanke der Menschenrechte darstelle, zum Handeln aufgefordert sei und keinesfalls einfach die Augen vor diesem unvorstellbaren Elend verschließen dürfe.

Diese Anliegen nahm Herr Dr. Schmelter in das von ihm formulierte Gebet auf:

„Herr, unser Gott und Vater, wir sind heute hier zusammengekommen, weil uns die unvorstellbare Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer schockiert und entsetzt hat, so dass wir kaum angemessene Worte finden können.

Für viel Geld haben Flüchtlinge einen Platz auf einem Schiff ergattert, um sich auf den Weg der Hoffnung zu begeben und Not, Elend, Folter und Krankheit hinter sich zu lassen.

Aber diese Bootsfahrt sollte sich als Weg in den Tod erweisen, der besonders viele Kinder mit sich in die Tiefe des Meeres gerissen hat, deren Eltern fest davon überzeugt waren, ihren Kindern eine humane Zukunft bieten zu können.

Kardinal Marx formulierte am Wochenende: ‚Die aktuelle Flüchtlingssituation ist für uns alle beschämend, es ist ein Skandal!’

Wir alle, die in Wohlstand und Zufriedenheit leben können, müssen uns die biblische Frage gefallen lassen: ‚Wo warst Du Adam. d.h. wo warst Du, Mensch?’

Gott, unser Vater, Du gibst uns zu verstehen, dass auf diese gerade angeführte Frage der Hinweis ‚Bin ich denn der Hüter meines Bruders bzw. meiner Schwester?’ nicht vor Dir gelten kann: Das ist keine Frage, die sich den anderen stellt, das ist eine Frage, die an jeden Einzelnen von uns persönlich gerichtet ist.

Das hat Dein Sohn mit seinem Gleichnis vom barmherzigen Samariter auch für uns in die Menschheitsgeschichte hinein erzählt und die Frage des Gesetzeslehrers: ‚Und wer ist mein Nächster?’ in den Mittelpunkt allen ethischen Handelns gestellt.

Die Kultur des Wohlergehens, die oft nur uns selbst in den Blick nehmen lässt, führt zur Gleichgültigkeit gegenüber den Nächsten und darüber hinaus zu einer weltweiten Gleichgültigkeit, quasi zu einer globalisierten Gleichgültigkeit, um mit Papst Franziskus zu sprechen. Denn der Tod von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer ist mittlerweile Alltag geworden.

Herr, unser Gott und Vater, wir bitten Dich, lasse nicht zu, dass sich unser Herz verhärtet und wir die Not der anderen übersehen und verdrängen.
Selbstverständlich können wir nicht alle Flüchtlinge aufnehmen, meinte Kardinal Marx in seiner Predigt am Wochenende, aber niemand soll, wenn er zu uns kommen will, Gefahr laufen zu sterben!

Amen.

In die sich anschließende Schweigeminute für die Opfer der Flüchtlingskatastrophe wurden auch alle die Menschen einbezogen, die vom schrecklichen Erdbeben in Nepal getroffen wurden.

Dr. Jürgen Schmelter