„Morning has broken“ - Frühschichten in der Fastenzeit 2015

„Morning has broken“ – dieses Motto begleitete uns durch die Wochen der Fastenzeit und bestimmte auch thematisch die Frühschichten vor Ostern.

In der Vorbereitung auf den Ostermorgen ging es darum, unser Denken zu verändern: Es galt, Anregungen zu geben, um sich nicht von dunklen Gedanken beherrschen zu lassen, sondern aufmerksam zu werden auf die positiven Momente eines Tages.
Einige der Vorschläge haben wir dem „Fasten-Wegweiser“ 2015 von „Andere Zeiten e.V.“ entnommen.

Jeder Tag ist ein neuer Anfang

Nicht jede Morgenstund
hat Gold im Mund,
aber jeder neue Tag
birgt eine neue Chance.

Nicht aller Anfang
ist leicht und unbeschwert,
aber jeder neue Tag
lässt Neues entdecken.

Es gibt einen neuen Anfang
an jedem neuen Morgen,
dort, wo man sich aufmacht,
das Ungewohnte zu suchen.

Es gibt einen neuen Anfang
an jedem neuen Morgen,
dort, wo man sich bemüht,
den Menschen neu zu begegnen.

Es gibt einen neuen Anfang
an jedem neuen Morgen,
dort, wo man mit sich selber
einen Neubeginn setzt
und aus der Überzeugung lebt,
dass wir noch nicht alles erreicht haben.

(Autor unbekannt)

Sorgenkisten

Der Morgen ist angebrochen. Hinter uns liegt eine Nacht, die uns vielleicht mit Sorgen wachgehalten hat. Aber nun ist der Morgen da. Etwas Neues ist angebrochen. Was gestern war, ist vergangen; wir haben die Chance, diesen Tag, der vor uns liegt, ganz neu zu gestalten. Wir können ausbrechen aus dem Kreislauf aus Sorgen und dunklen Gedanken und schöne Momente an diesem Tag gestalten.

Damit uns unsere Sorgen und Ängste nicht lähmen und unser ganzes Denken beherrschen, haben wir die Idee von „Sorgenkisten“ vorgestellt, in die jeder für sich, oder eine ganze Klasse, ihren Kummer und ihre Ängste ablegen können. All die Dinge, über die wir uns die ganze Zeit den Kopf zerbrechen, warfen wir da hinein und versuchten, nicht mehr an sie zu denken. Nach einer Woche holten wir unsere Zettel hervor. Manche der Ängste stellten sich als haltlos heraus, manche Sorgen hatten sich erledigt.

Doch natürlich sind nicht alle Sorgen verflogen. Manchmal muss man einfach warten, bis man in der Lage ist, ein Problem anzugehen; manchmal braucht man etwas Zeit und Distanz. Andere Probleme kann man gar nicht alleine lösen. Man braucht Hilfe.

Die Schülerinnen hatten Gelegenheit, ihre Sorgen und Ängste symbolisch vor Gott zu bringen. Dafür konnten sie einen Stein vor dem Altar niederlegen.

Glücksmomente

Um Glücksmomente wahrzunehmen, haben wir die Idee des „Erbsenzählens der anderen Art“ ausprobiert. Damit die Teilnehmer der Frühschicht damit auch gleich anfangen konnten, wurden kleine Tütchen mit „Glückserbsen“ verteilt.
Aber wie entdeckt man die schönen Momente, das Gute und Gelungene? Die Anleitung dazu steckt in der folgenden Geschichte:

Es war einmal ein Bauer, der mit seiner Unzufriedenheit unzufrieden war. Um Abhilfe zu schaffen, füllte er jeden Morgen eine Handvoll Erbsen in seine linke Hosentasche. Und immer wenn er während des Tags etwas Schönes erlebte, was ihm Freude bereitete und ihn für einen Moment glücklich machte, nahm er nun eine Erbse aus der linken Hosentasche und steckte sie in die rechte. Bald schärfte sich sein Blick für das Glück. Von Tag zu Tag entdeckte er mehr Gründe dafür, die Hülsenfrüchte von der linken in die rechte Hosentasche wandern zu lassen: die frische Morgenluft, den Gesang der Amsel auf dem Dachfirst, das Lachen der Kinder, das nette Gespräch mit seinem Nachbarn – bei jeder dieser Freuden ließ er eine Erbse in die rechte Tasche gleiten. Lange Zeit war er unglücklich über sein Dasein gewesen und hatte dem Glück im Alltag keine Beachtung geschenkt. Doch nun nahm er jeden Tag, bevor er zu Bett ging, die Erbsen aus seiner rechten Hosentasche in die Hand. Und ihm war klar: in jeder steckte ein Glücksmoment. Selbst wenn er nur eine einzige Erbse in seiner Hosentasche fand, wusste er: Auch diese stand für einen Augenblick des Glücks.

(Nacherzählt von Kai-Uwe Scholz, in: Fasten-Wegweiser 2015, Andere Zeiten e.V.)

Rita Elsner