19 Mädchen gehen ins Kloster!

Über diese Meldung würde sich wahrscheinlich jede Novizinnen-Meisterin eines Frauenklosters sehr freuen, aber es handelte sich lediglich um einen Besuch im Kloster der Congregatio Jesu (CJ), der am Mittwoch, den 25.03.2015, für zwei Schulstunden im Rahmen des katholischen Religionsunterrichts der Q 11 stattfand.

Im Rahmen ihres Vortrages, den Schwester Ursula CJ. über das Frauenbild Mary Wards vor Schülerinnen der Q 11 aus Anlass der Maria-Ward-Woche 2015 gehalten hatte, lud sie auch Schülerinnen zu einem Besuch im Kloster ein.

In der letzten Schulwoche vor den Osterferien folgten 19 Schülerinnen und der Kursleiter, Herr Dr. Schmelter, dieser freundlichen Einladung: Abgeholt wurden wir von Schwester Ursula, der langjährigen Direktorin der Maria-Ward-Schule Regensburg, die bereits vor der Pforte auf uns wartete. Nach der Begrüßung erzählte sie einiges aus ihrer Biographie: Vor vielen Jahren hat sie hier an unserer Schule ihr Abitur absolviert, ohne an einen Eintritt in das Kloster zu denken. Erst langsam reifte dieser Wunsch heran, so dass Sr. Ursula später Latein und Wirtschaftswissenschaften studierte, um an einer Maria-Ward-Schule als Lehrerin zu unterrichten.

Sr. Ursula führte uns dann in das Gebäude des Klosters: Hier nahmen wir zunächst die Klosterküche in den Blick, in der gerade das Mittagessen zubereitet wurde, und zwar Kässpatzen, ein Lieblingsgericht der Schwestern, wie uns Sr. Ursula verriet. Während früher in dieser Großküche für 80 Schwestern Essen zubereitet wurde, sind heute noch 40 Schwestern zu verköstigen, wovon die jüngste 42 Jahre zählt. Es folgt dann die Oberin der Congregatio Jesu mit 54 Jahren, das Alter der Mitschwestern liegt zwischen 72 und 94 Jahren. Sr. Ursula verwies dann auf die Möglichkeit der Schwestern, sich das Abendessen – eine Kleinigkeit – selbst zubereiten und zumindest eine Art eigenen Haushalt führen zu können.

Wir folgten unserer Gastgeberin in den großen Speisesaal, der früher 100 Schwestern Platz bot, jetzt aber für 40 Schwestern ausgerichtet ist und entsprechend großzügig Platz bietet. Vor den großformatigen Gemälden, die Mary Ward und ihre ersten Gefährtinnen abbilden, blieben wir eine Weile stehen: Sr. Ursula erzählte von den Anfängen der Congregatio Jesu in München, die in der bayerischen Landeshauptstadt ihren ersten Platz im Paradeiserhaus  gefunden hat, dem Gelände des heutigen Marienhofs. Unsere Gastgeberin wies daraufhin, dass es Mary Ward immer abgelehnt hat, von den Ärmsten der Armen Geld für Schulbildung zu nehmen. Um im Winter den Schulkindern ein Essen bieten und die Küche beheizen zu können, wanderte die engste Gefährtin Mary Wards, Mary Poyntz, einmal pro Woche nach Landshut, um hier Geld für die Schulkinder zu erbetteln.

Als nächster Raum wurde uns der Aufenthaltsraum  der Schwestern gezeigt, in dem sich ein Fernseher und auch ein Klavier sowie eine kleine Bibliothek befinden. Sehr gerne, verriet Sr. Ursula, spielen hier die Schwerster Rommé und schauen Fernsehen. Auf Nachfrage der Schülerinnen wurde mitgeteilt, dass die Serie „Dahoam is dahoam“ den Spitzenplatz einnimmt. Es gibt aber auch noch andere Räume, in denen die Schwestern Alternativ-Sendungen anschauen können. Über dem Klavier befinden sich in diesem Raum die Portraits der Generaloberinnen der Congregatio Jesu: Die langjährige Vorgängerin der jetzigen Generaloberin, eine Engländerin aus dem Land der Ordensgründerin, kam aus Korea. Sr. Ursula klärte dann die Schülerinnen über Mary Wards Wunsch auf, dass ihr Kloster direkt dem Papst unterstellt sein sollte, um damit gerade nicht in die Abhängigkeit von Landesbischöfen zu geraten, die ihre eigenen Interessen verfolgten.

Wir folgten daraufhin Sr. Ursula in die Kommunität der Schwestern, einem Gebäude auf dem Gelände des Tagesheims. Hier leben die Schwestern, die eine andere Lebensform gewählt haben.

Jeder wird verstehen, dass nicht alle Schwestern, die den Weg ins Kloster gefunden haben, unter Bedingungen leben wollen, die für ältere Frauen ausgerichtet sind. Viele der älteren Schwestern stehen morgens um fünf Uhr auf, gehen aber dafür schon vor 20:00 Uhr ins Bett. Die Institution der Kommunität will gerade Frauen den Weg in die klösterliche Gemeinschaft eröffnen, die individuellere Lebensformen vorziehen. Wir nahmen das Wohnzimmer und auch die Gasträume der Kommunität in den Blick. Zum Abschluss zeigte uns Sr. Ursula ihr eigenes Zimmer, das ziemlich klein ausfällt, aber nach praktischen Gesichtspunkten eingerichtet ist, denn Sr. Ursula braucht Platz für ihre Bücher und auch einen Schreibtisch. Als begeisterte Lateinerin unterrichtet sie immer noch gerne dieses Fach und betreut eine stattliche Anzahl von Schülerinnen unserer Schule, die ihre Lateinkenntnisse vertiefen wollen.
Da die 90 Minuten wie im Fluge verlaufen waren, mussten wir uns schon bald von Sr. Ursula mit einem großen Dank für ihre interessanten Ausführungen verabschieden.

Dr. Jürgen Schmelter