Vortrag Palliativmedizin

  • PalliativmedizinSlider.JPG

„Wie macht man sich den Tod zum Freund?“

Unter diesem Motto stand ein vielbeachtetes Interview der Palliativmedizinerin Frau Prof. Dr. Claudia Bausewein über das Sterben, die wir für einen Vortrag im Rahmen der Maria-Ward-Woche 2014 gewinnen konnten. Die Tatsache, dass Frau Dr.  Bausewein unsere Schule besucht und im Jahre 1984 am Maria-Ward-Gymnasium ihr Abitur absolviert hat, motivierte sicherlich ihre Entscheidung, trotz ihres sehr gefüllten Terminkalenders am 31.01.2014 einen Vortrag über die Palliativmedizin vor unseren Schülerinnen zu halten.

Nach dem Abitur studierte Claudia Bausewein in den Jahren 1985 bis 1992 Humanmedizin an der LMU München, arbeitete anschließend als Ärztin im Praktikum. Im Jahre 1993 wurde sie promoviert und erhielt 1994 die Approbation als Ärztin. Anschließend wirkte sie als Assistenzärztin im Hospiz „Sir Michael Sobell House“ in Oxford. Später bildete sie sich weiter an der University of Cardiff mit dem Abschluss „Diploma in Palliative Medicine“.
Anschließend baute sie die Palliativstation im Krankenhaus München-Harlaching mit auf. Ab 2001 arbeitete sie als Oberärztin im Interdisziplinären Zentrum für Palliativmedizin an der Universität München-Großhadern. Nach weiteren Ausbildungsstationen in Palliativmedizin, unter anderem am King’s College in London, übernahm die Medizinerin im Juli 2012 den Lehrstuhl für Palliativmedizin an der LMU München und damit die Leitung des Interdisziplinären Zentrums für Palliativmedizin im Klinikum Großhadern.



An diesem Freitag, den 31.01.2014, hatten also die drei zehnten Klassen des Maria-Ward-Gymnasiums die Ehre, einen Einblick in die Palliativmedizin zu gewinnen. Trotz des wachsenden Bekanntheitsgrades wissen nur wenige um die Ausrichtung dieses sensiblen medizinischen Bereichs, der in engem Zusammenhang zur Hospizarbeit steht.
Von hier aus ergibt sich auch die enge  Verbindung dieses Vortrages mit unserem Compassionprojekt, in dem es auch um die Unterstützung von Menschen geht, die mit Krankheit, Sterben und Tod konfrontiert sind.
Das Team um Frau Dr. Bausewein setzt dort an, wo die meisten Mediziner den Patienten nicht mehr helfen können. Die Palliativmedizin verfolgt das Ziel, schwerkranken Patienten, die an unheilbaren Krankheiten wie beispielsweise Krebs, Aids oder Atemwegs- und Bluterkrankungen leiden, ihre letzte Zeit so erträglich wie möglich zu machen und im besten Falle weitestgehend in Würde  zu verlängern.
Die Palliativmediziner behandeln akute und äußerst starke Schmerzen, die im Krankheitsverlauf auftreten und den Patienten zudem große Angst bereiten können. Ziel ist es also, gerade den Patienten diese Angst zu nehmen und gewissermaßen den „Tod zum Freund“ werden zu lassen. Des Weiteren betreuen und begleiten die Mediziner die Betroffenen und ihre Familien in einem wesentlich ruhigeren und familiäreren Umfeld, als es auf den normalen Stationen eines Krankenhauses der Fall sein kann. In besonderen Fällen können sie die Patienten auch zu Hause behandeln.
Im weiteren Verlauf ihres Vortrages berichtete die Medizinerin von der Entstehungsgeschichte der Palliativmedizin, welche nach der Etablierung der Hospize ins Leben gerufen wurde: Nachdem bereits im Mittelalter erste Einrichtungen als Hospize von den Kirchen und Klöstern gegründet wurden, eröffnete im Jahre 1967 das erste moderne Hospiz in London. In Deutschland allerdings zögerte sich die Einführung länger hinaus, da die Bevölkerung nach den Schrecken des Nationalsozialismus die Hospizarbeit oftmals mit dem Euthanasieprogramm in Verbindung brachte.
Die Zukunft der Hospizarbeit und der Palliativmedizin ist heute weitgehend gesichert. Für Medizinstudenten stellt die Palliativmedizin ein Pflichtfach dar. Zudem betätigen sich rund 80.000 Deutsche ehrenamtlich in Hospizen oder speziellen Hospiz-Vereinen. Bevor sie zu arbeiten beginnen, erhalten sie eine Ausbildung im Umgang mit den teilweise extremen und stark belastenden Situationen.
Trotz der schwierigen und sicherlich erschütternden Behandlung von sterbenden Menschen, verdeutlichte Frau Dr. Bausewein, dass diese Arbeit ihr große Freude bereitet, da man die Chance hat, Menschen in Not zu helfen, was das oberste Ziel der Medizin darstellt, aber auch gerade unser Compassionprojekt in den zehnten Klasse als Maxime leitet. Auch zeigen viele Patienten eine beeindruckende Lebensfreude und entwickeln einen erstaunlichen Blick für die kleinen Freuden des Lebens, welche den gesunden Menschen doch zunehmend entgehen können, weshalb man viel von den Patienten lernen kann.
Alle Schülerinnen ließ dieser beeindruckende  und interessante Vortrag in nachdenklicher Stimmung zurück. Sicherlich werden sie sich noch länger mit dem sehr bewegenden Thema auseinandersetzen.
Zum Abschluss ihrer Ausführungen wurde Frau Dr. Bausewein ein bunter Frühlingsstrauß überreicht, der noch einmal in anschaulicher Form die Zielsetzung der Palliativmedizin symbolisieren konnte.

Carmen Czuck, Marina Gassner, 10b, und Dr. Jürgen Schmelter