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Sommer in Berlin

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Am Ende eines langen Schuljahres, Mitte Juli, bei bestem Sonnenschein und guter Laune fahren wir nach Berlin. In die Hauptstadt, Regierungssitz, Mittelpunkt von Politik und Kultur, die Stadt der Döner und Currywürste und einer langen, langen Geschichte.


Einen Tag, nachdem die deutsche Nationalmannschaft ihren WM-Sieg am Brandenburger Tor gefeiert hat, stehen auch wir da, unter der Quadriga, die ihren Stab mit dem Adler  der Mittagssonne entgegen reckt. Unter den Linden laufen wir ein Stück stadteinwärts,  vorbei am Adlon und dunklen Limousinen, hin zu einem ebenfalls dunklen, betongrauen Platz. Manche der Betonblöcke des Holocaust Denkmals sind mit Rissen versehen, die wohl den Gezeiten geschuldet sind. Wie große Grabsteine stehen sie da unter dem blauen Himmel und so mancher, der den Platz durch die Blöcke durchquert, verliert jegliche Orientierung. Nachmittags sitzen wir im Reichstag, gegenüber dem Reichsadler, der aufgrund seiner Form auch liebevoll als „fette Henne“ bezeichnet wird. Mit letzter Kraft -  es herrschen Temperaturen von über 30° C – erklimmen wir die gläserne Kuppel und blicken auf die Stadt hinab. Manche der Dächer, die wir von dort oben sehen, kennen wir bereits. Wir blicken aber auch voll Vorfreude auf das, was uns in den kommenden Tagen noch erwarten wird. Der Alexanderplatz mit der Weltzeituhr beispielsweise, die Museumsinsel oder das Nikolaiviertel, die Hackeschen Höfe mit den typischen Berliner Hinterhofhäusern.


Ein großes Thema unserer Fahrt ist das Leben in der DDR. Wir fahren nach Hohenschönhausen, in die Stasi-Gedenkstätte. Wir wollen wissen, wie es war, dort als Häftling des SED – Regimes eingesperrt gewesen zu sein. Was wir sehen, ist keine leichte Kost. Es wird schnell klar, dass die Inhaftierten in Hohenschönhausen unter menschenverachtenden Bedingungen zumeist unschuldig im Gefängnis saßen. Manche hatten sich kritisch gegen die DDR – Diktatur ausgesprochen, viele hatten aber einfach nur ein Leben geführt, das ihrer Vorstellung von Freiheit entsprach. Psychische Folter, Erniedrigung und Schikane waren gängige Methoden, um die Macht der SED aufrechtzuerhalten. Auch nach dem Mauerbau flohen viele DDR-Bürger aus Ostdeutschland. Keiner von ihnen wollte länger in diesem Staat der Überwachung und des Misstrauens leben. Wir können in Ansätzen nachvollziehen, welche Erleichterung man verspürt haben muss, wenn man das Schild : „ You are entering the American sector“ am Checkpoint Charlie passierte. Wir betrachten ausgebaute Motorräume von PKWs, mit denen Menschen über die Grenze gebracht wurden, Koffer und Stereoboxen, die so manchem die Flucht ermöglichten und schätzen uns bei Betrachtung unserer Vergangenheit umso glücklicher um unsere Gegenwart.


In den Stunden neben unserem doch recht vollem Programm essen wir in kleinen Cafés, Restaurants oder auf der Straße, gehen einkaufen im KaDeWe oder auch bei Primark, oder ruhen uns einfach auf schattigen Plätzen aus. Abends, wenn unsere Beine vom vielen Laufen müde sind, setzen wir uns an die Spree und lassen unsere Füße über dem Wasser baumeln. Dann beobachten wir, wie über Berlin die Sonne untergeht.


Nach fünf Tagen Berlin packen wir unsere Sachen und machen uns auf zum Bahnhof. Unser Dank gilt Herrn Seliger und Frau Berreiter, unseren beiden Begleitern, sowie dem Förderverein, der einen großzügigen Zuschuss für unsere Reise leistete.


Um kurz vor zehn Uhr morgens steigen wir in Berlin in den ICE. Es kündigt sich ein weiterer, warmer Tag in der Hauptstadt an. Und dann fahren wir schon: Berlin Hbf, Berlin Südkreuz, einmal quer durch ganz Deutschland und schließlich: München.


Klasse 10b