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Unsere Seminarfahrt: Mit dem Rucksack zu Fuß entlang der Soleleitung im Salzkammergut

Sonntag, den 29.06.14, treffen wir uns frisch und munter alle, bis auf Dani, die leider einen Gips trägt, am Gleis 12 am Hauptbahnhof, von wo aus wir unsere Reise starten.

Die Zugfahrt verläuft trotz vielem Umsteigen ohne Zwischenfälle und danach  sind erstmal alle von ihrem Proviant zu genüge gesättigt. Als der Traunsee in Sicht kommt, laufen alle zu den Fenstern, um den Ausblick auf den von Bergen eingerahmten See zu genießen, der trotz des schlechten Wetters wunderschön ist. Nach einem kurzen Fußmarsch durch Ebensee erreichen wir gegen fünf Uhr das Rosenstüberl, von dessen großen, schön eingerichteten Zimmer wir alle begeistert sind. Nach einer kurzen Verschnaufpause laufen wir einmal über die Straße zur Pizzeria, wo wir neben dem Essen sogar Fußball schauen können und so lange sitzen, dass wir den geplanten Spaziergang danach wegen Einbruch der Dunkelheit und dem anhaltenden Regen ausfallen lassen müssen.

Am nächsten Tag kommen wir um den „Spaziergang“ von 20 km im Regen leider nicht herum. Wir lassen uns aber nicht entmutigen und stapfen singend durch den tropfenden Wald. Als wir jedoch alle bis auf die Knochen durchnässt sind und den Weg nur noch an der Bundesstraße entlang führt, sinkt die Stimmung doch deutlich. Nach einer Mittagspause in einer Raststätte laufen wir weiter Bad Ischl entgegen, immer entlang der Traun, und der Himmel schenkt uns doch noch ein wenig von seinem Blau. Trotzdem sind aller sehr erleichtert als wir uns auf die Stühle in der Eingangshalle der Jugendherberge fallen lassen, wo wir noch etwas warten müssen bis wir uns anmelden können, weswegen wir auch die Kaiservilla, die Sommerresidenz des Märchenpaars Franz und Sissi, nicht mehr anschauen können. Nach dem Abendessen bleibt noch etwas Zeit bis zum Fußballspiel, das vor allem unsere Lehrerinnen nicht verpassen wollen, die wir mit Kartenspielen und Bad Ischl erkunden verbringen.

Ein bisschen müde, aber durch die warmen Sonnenstrahlen auf unseren Gesichtern gleich doppelt so motiviert wie gestern, brechen wir am nächsten Tag nach Bad Goisern auf. Unsere erste Station ist die Ruine Wildenstein, wo wir uns den schönen Blick ins Tal und auf das silberne Band der Traun, eingerahmt durch die herrschaftlichen Häuser der Promenade, hart erkämpfen. Während wir oben die erste Brotzeit genießen, bekommen wir die schaurige Sage über das Burgfräulein zu Wildenstein zu hören. Nachdem wir gestern doch etwas ernüchtert wurden, erstrahlt die Welt heute frisch gewaschen in neuem Glanz und wir wandern über Wiesen und Wälder zwischen den auf beiden Seiten aufragenden Bergen. Gegen Mittag erreichen wir Laufen, legen uns am Ufer der Traun auf die sonnengewärmten Steine und lassen beim steten Rauschen die Augen zu fallen. Wir haben keinen Zeitdruck und können auf dem kurzen Stück Weg, das wir uns heute noch vorgenommen haben, die Reihung kleiner Idylle voll genießen. Alte Bauernhäuser mit knorrigen Obstbäumen, Hühnern zwischen den Gemüsebeten, Schmetterling in Blumengärten und Lämmchen auf der Weide. Wir sehen sogar eine Blindschleiche.

Trotz ein wenig Trödelei kommen wir schon um drei Uhr bei der Mörtelmühle an, einem alten, authentischen Haus direkt an der Traun. Weil wir aber um Punkte sechs Uhr schon zum Abendessen zurück sein müssen, bleibt uns nicht viel Zeit, um einzukaufen, Eis zu essen und im herrlichsten Bergpanorama das Freibad von Bad Geisern zu besuchen, in dem uns das „hüfthohe“ Wasser an dem heißen Tag eine wohltuende Abkühlung verspricht.

Nach einem leckeren Abendessen im gemütlichen Speisesaal zieht es uns noch mal nach draußen unter den riesigen Walnussbaum und spielen bis es zu dunkel wird „Wer bin ich?“, neben Ligretto die Nummer eins auf der Spieleliste, aber natürlich nicht bevor die Nägel lackiert wurden. Für Nagellack ist schließlich im engsten Rucksack doch noch Platz. Zu ein bisschen Vernunft konnten wir uns dann doch noch abringen und sind relativ früh schlafen gegangen, um morgen pünktlich um 7.30 Uhr abmarschbereit zu sein.

Wieder laufen wir bei strahlendem Sonnenschein durch schönste Landschaft und lauter süße Dörfer, eine allerdings diesmal mit Flipflops. Auf unserem Weg nach Hallstatt bekommen wir an drei verschiedenen Stationen Infos zu Festen, Flora und Fauna und Kulinarik unserer Umgebung näher gebracht. Besonders spannend war der Gang über die hohe Brücke des Soledukts Gossau-Zwang und der darauf folgenden Pfad zwischen Felswand und Abgrund, wo wir gezwungen sind uns nah an den grasbewachsenen Berg zu drücken, wo die Zecken schon auf uns gewartet haben. Plötzlich taucht zwischen den Bäumen der Hallstättersee auf.

Ein wenig nass wurden wir, weil von oben ein Bächlein über den schmalen Weg plätschert, aber mit Nässe von oben haben wir ja schon Erfahrung. Doch als wir endlich den kleinen blauen Würfel erreichten, der uns anzeigt, dass wir nun noch 1 km zurückzulegen haben, freuen wir uns zu früh, denn der Aufstieg beginnt erst noch. Eine endlos lange Treppe führt uns hinauf zum Eingang des Salzbergwerks, vorbei an Felsen, dichtem Grün und einem wunderschönen Wasserfall, für den die meisten mit ihren schweren Rucksäcken auf den Rücken kein Ange haben. Endlich oben geht es nach einer kleinen Stärkung mit lustigen grünen, weinroten und blauen Anzügen unter Tage. Ein schwach beleuchteter Gang führt uns tief in den Berg hinein, wo wir in aufwändig gestalteten Führungshallen zuerst die Geschichte des Salzes in zwei kurzen Filmen näher gebracht bekommen und in einem dritten die moderne Abbauweise des Salzes. Für Spaß sorgen zwei Rutschen, darunter die längste Bergwergrutsche Europas mit 76 m. Am beeindruckendsten ist jedoch ein Lichtspiel, das sich im darunter liegenden Salzsee vielfach spiegelt und das Dunkel der Höhle in fantastischem Licht erstrahlen lässt. Zuletzt fahren wir mit einer Bahn wieder hinaus in den hellen Tag.

Nach Hallstatt hinunter fahren wir mit einem Aufzug, weil es nach dem anstrengenden Tag doch an Motivation fehlt. Leider bleibt uns nicht viel Zeit das Weltkulturerbe Hallstatt länger zu durchstreifen. Wir werfen nur einen kurzen Blick auf die besondere Architektur der schönen alten Häuser, bevor wir das Boot besteigen, das uns über den See zum Bahnhof bringt, weil uns die Sonne mal wieder im Stich lässt. Trotzdem kommen wir schließlich in Obertraun in der Jugendherberge noch trocken an, weil der Regen freundlicher Weise noch gewartet hat, bis wir ein Dach über dem Kopf haben. Der Abend verläuft dann entspannt mit gemütlichem Regengeplätscher an unseren Fenstern und wir sind alle froh, dass wir morgen erst um 9.30 Uhr aufbrechen. Aber wohin?

Endlich geht es auf das Dachsteinmassiv, worauf sich alle die ganze Woche gefreut haben. Die Talstation ist nicht weit von der Jugendherberge entfernt. Über den kurzen Weg sind wir doch froh, obwohl die Rucksäcke schon fast an uns festgewachsen sind. Bevor wir aber ganz auf den Gipfel fahren, erwarten uns bei der Zwischenstation Schönbergalm noch die zwei schönsten aus unzähligen Dachsteinhöhlen. Zuerst besuchen wir die Mammuthöhle, deren Namen von der gewaltigen Länge von 68 m herrührt, zu der wir 15 min laufen müssen, wobei wir die Rucksäcke zum Glück auf der Alm lassen dürfen. Auf dem kurzen Stück Weg haben wir schon einen herrlichen Blick auf den Hallstättersee. In der Höhle hat es nur 3°C, weswegen wir froh sind wieder in die warmen Sonne hinaus zu dürfen, obwohl die großen Hallen in dem massivem Gestein, in denen vor langer Zeit ein riesiger Bär gehaust hat, schon sehr beeindruckend. Nach einer Mittagspause geht es wieder nach 15 min Fußmarsch in die spektakuläre Eishöhle. Märchenschlösser aus blauem Eis mit tiefen, dunklen Burggräben, mit den durch Tropfen entstandenen schwarzen Schmelzseen, verzaubern uns in der eiskalten Höhle mit der so reinen Luft, dass wir die klare Bergluft draußen als stinkend empfinden. Nach diesen Eindrücken denken wir schon, dass es wohl nicht noch besser geht, doch als wir oben auf dem Dachstein ankommen, erwartet uns die unwirkliche Welt der Karstflächen mit ihrer rauen Schönheit.

Nachdem wir in der Lodge unserer Matratzenlager bezogen haben und wir uns mit einem typischen österreichischen Topfenstrudel gestärkt haben, machen wir uns auf den Weg zu den berühmten 5fingers. Bevor wir uns auf die Gitter über den Abgrund stellen, genießen wir das umwerfende Rundumpanorama auf der Welterbespirale, um die herum gemütliche, künstlerisch gestaltete Holzliegen stehen, die uns zum Verweilen einladen.

Beim Abendessern mit den schönsten Aussichten aller Seminarfahrten geht es lustig zu, doch bei dem Sonnenuntergang, der die Welt in die schönsten Schattierungen aus Lila und Rot taucht, sind wir andächtig still und nicht einmal der Wind stört die stillstehende Zeit der Dämmerung mit einem Pfeifen. Und weil es so schön war, ziehen drei Schülerinnen um 4.30 Uhr wieder los, um das Schauspiel noch einmal zu erleben und die Sonne zu begrüßen, die uns auch am Tag unserer Heimreise gnädig ist und uns bei unserem Rundweg ins Schwitzen bringt. Bevor wir wieder ins Tal fahren, wollen wir schon noch etwas sehen und wir besichtigen den Hai, spielen lustige Spiele, bekommen Informationen über den Gletscher, auf den wir die ganze Zeit eine gute Sicht haben und machen eine große Pause, bei der uns Alpendohlen besuchen. Trotzdem sind wir schon viel früher als geplant zurück und haben noch Zeit auf der Lodge auch den Apfelstrudel zu probieren und auf der Schönbergalm den Kaiserschmarrn, bevor wir ganz nach unten fahren und mit ein wenig Glück alle Züge früher bekommen. Aus dem Fenster sehen wir den ganzen Weg bis zurück nach Ebensee in kurzer Zeit noch einmal an uns vorbeiziehen: Unser Plätzchen an der Traun in Laufen, das Freibad in Bad Goisern, den Traunsee. In so kurzer Zeit haben wir so viele wunderschöne Erlebnisse miteinander geteilt und sind zu einem guten Team zusammengewachsen. Tatsächlich gab es auf der ganzen Reise keinen einzigen Streit. Da freuen wir uns doch richtig auf zu Hause, wo unsere geliebten, streitsüchtigen Geschwister warten.

Sarah Temple, Q11