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Ökumenischer Bußgottesdienst am 19. November 2013

Unter dem Motto „Teilnahme am Leben anderer statt Ab- und Ausgrenzung“ stand der ökumenische Bußgottesdienst, der am 19. November 2013 von Herrn Dr. Schmelter und Herrn Pfarrer Soellner unter Mitwirkung von Schülerinnen der Q 12 in der Institutskirche für unsere Schülerinnen der 10. bis 12. Klassen gestaltet wurde.

Als Symbol für die Ab- und Ausgrenzung von Menschen war vorne am Altar ausgerollter Stacheldraht zu sehen. Zwischen dem Stacheldraht fand sich ein kleines Schild, auf dem man lesen konnte: „Ich stehe vor der Tür und klopfe an!“. Diese Worte Jesu aus der Offenbarung sollten einstimmen auf den Bußgottesdienst: Jesus klopft an, denn er will eintreten in das Leben der Menschen, in ihre Beziehungen, in ihr Herz. Jesus hofft, dass wir sein Klopfen hören und ihm öffnen.

Nach der liturgischen Eröffnung des Gottesdienstes mit dem Kreuzzeichen und nach dem Tagesgebet erfolgte die Einführung durch Schülerinnen der Q 12, die einige Informationen über den Verwendungszweck von Stacheldraht herausstellten: „Stacheldraht als Sperre gegen Personen wird und wurde unter anderem eingesetzt in Gefängnissen, Konzentrationslagern, an der Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze. Der Stacheldraht steht häufig als Symbol für Unterdrückung, Unfreiheit, für Ab- und Ausgrenzung. Ein von einer Schülerin vorgetragenes Gedicht aus der Nachkriegszeit mit dem Titel „Die letzte Epiphanie“ veranschaulichte sehr deutlich, warum Stacheldraht im Englischen auch „devil’s rope“ genannt wird.

Es schloss sich eine Meditation an, die die Gottesbesucherinnen und Gottesdienstbesucher einlud, mit Hilfe des Symbols des Stacheldrahts ihr eigenes Leben in den Blick zu nehmen und zu überdenken. So hieß es beispielsweise:

„Stacheldraht in meinen Händen. Draht mit Stacheln. Einen guten Draht haben oder Stacheln zeigen. Aggressiv sein. Sich nichts gefallen lassen, gereizt sein, auf sein Recht beharren. Streitsüchtig, kratzbürstig und aufbrausend handeln. Stacheln zeigen, andere verletzen. Demütigen, mit Worten, mit Gesten, mit Ignoranz.“

Diese Meditationstexte wurden dann immer durch Fragen unterbrochen, wie zum Beispiel:

„Wen habe ich verletzt mit meinen Stacheln, bewusst oder unbewusst, mit Worten, Gesten oder mit Ignoranz? Gehe ich auch Kompromisse ein oder beharre ich nur auf meinem Recht?“

Nach dem Evangelium „Vom Weltgericht“ (Mt 25, 31-40), das das berühmte Jesus-Wort „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mit getan“ ins Zentrum stellt, folgten die Predigtgedanken. Diese mündeten ein in das Schuldbekenntnis, das von allen gesprochen wurde, und die sich anschließende Lossprechung. Als Zeichenhandlung wurde eine Kerze angezündet und inmitten des Stacheldrahtes platziert:

„Unseren festen  Glauben, dass nicht Ab- und Ausgrenzung, symbolisiert durch diesen Stacheldraht, das letzte Wort haben werden, soll diese Kerze verdeutlichen, die das Feuer der Liebe Jesu dem Stacheldraht und damit dem Dunkle der Lieblosigkeit entgegensetzt!“.

Nach den Fürbitten, die immer mit dem Wort „Schenke uns ein offenes Herz“ bekräftigt wurden, schlossen sich das Vater Unser und der Segen an:

„Erbitten wir den Segen Gottes für uns und für alle, die wir im Herzen tragen: Gott mache uns zu Boten seiner Liebe, damit wir Frieden bringen, wo andere Steine werfen; er gebe uns ein Herz, das lebt, damit wir Gefühle zeigen, wo Fronten verhärtet sind; er stärke uns, damit wir Steine und Stacheldrähte aus dem Wege räumen, die uns hindern, sein Reich heute zu leben. Und so segne uns der barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.“

Mit dem Lied „Von guten Mächten treu und still umgeben …“ endet der ökumenische Gottesdienst im Jahre 2013.

Dr. Jürgen Schmelter