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Maria-Ward-Gedenkwoche II - „Das Frauenbild Maria Wards“

Im Rahmen der Maria-Ward-Woche 2014 hielt Schwester Ursula Garharter CJ vor den katholischen und evangelischen Schülerinnen der Q 11 und Q 12 in unserer Aula ein beeindruckendes Referat über das Frauenbild Maria Wards.

Zunächst stellte sich Sr. Ursula vor und erzählte den Schülerinnen, dass sie sich sehr gut an unsere Aula erinnere, denn im Jahre 1964 hat sie in diesen Räumlichkeiten ihre Abiturprüfung absolviert und auch hier ihr Reifezeugnis erhalten. Sie arbeitete dann lange Jahre als Direktorin der Maria-Ward-Schule in Regensburg und kehrte vor einiger Zeit nach München an ihren Ausgangspunkt zurück.


Das im Alten Testament zu findende Frauenbild stellte für Sr. Ursula den Ausgangspunkt ihrer Ausführungen dar: In der ersten Schöpfungserzählung des Buches Genesis heißt es: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie“. Deutlich wird hierbei die Gleichrangigkeit aller Menschen in ihrem Wert, unabhängig von ihrem Geschlecht. Sr. Ursula betonte nachdrücklich, dass Mann und Frau vor Gott vollkommen gleichgestellt sind.

Die in der Schöpfungserzählung begründete Gleichstellung von Mann und Frau wird im Neuen Testament durch das Beispiel Jesu konkretisiert, der neben den Aposteln auch immer Frauen in seiner Begleitung hatte. Er setzte sich damit über die überkommenen gesellschaftlichen Normen hinweg, nach denen Frauen als minderwertige Geschöpfe galten, und geriet deshalb insbesondere mit dem jüdischen religiösen Establisment in Konflikt, der mit seinem Tod enden sollte.

Generell, so referierte Schwester Ursula weiter, spielen Frauen im Neuen Testament eine zentrale Rolle: So stellt beispielsweise Maria Magdalena die erste Person dar, die Jesu Auferstehung verkündet, weshalb sie später vom heiligen Augustinus als „Apostelin aller Apostel“ bezeichnet wird. Weitere für das Christentum bedeutsame Frauen sind Phoebe, die als Diakonin eine leitende Funktion in einer christlichen Gemeinde innehatte, und Lydia, die vom Judentum zu Christentum übertrat und als erste europäische Christin gilt. Solche Beispiele für ein neuartiges Frauenbild hatten allerdings keinen nachhaltigen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Kirche, was mit Sicherheit manche Zuhörerin und mancher Zuhörer – zusammen mit Maria Ward- bedauern wird. Die patriarchalisch geprägte römische Gesellschaft hatte (und hat?) keine Verwendung für gleich gestellte Frauen. Die Folge war, dass diese Frauen und das durch sie konstituierte Frauenbild der Frühkirche zunehmend in Vergessenheit gerieten.

Maria Ward wuchs in England in einer Zeit auf, die durch die Katholikenverfolgung geprägt war. Kirchliche Äußerungen zur Gleichstellung von Mann und Frau gab es zu dieser Zeit kaum; im Gegenteil wurden Frauen bestraft und verfolgt, wenn sie sich in der Öffentlichkeit über religiöse Fragen äußerten oder gar Bibelstunden erteilten. Viele Frauen wurden aus solchen Gründen hingerichtet. Bei der aus York gebürtigen römisch-katholischen Margaret Clitherow, die als Märtyrerin heiliggesprochen wurde, reichte es beispielsweise als Hinrichtungsgrund aus, dass sie katholische Priester bei sich beherbergt und die Messe hat lesen lassen.

In England bildete sich in dieser Zeit eine Widerstandsbewegung im Untergrund heraus, sie sich unter anderem für die Aufhebung der Isolierung von Frauenklöstern einsetzte, die als „Heilmittel gegen den Sittenverfall der Frau“ im Zuge der Gegenreformation eingeführt worden war.

Maria Ward wird als Seelsorgerin der katholischen Untergrundkirche Englands bezeichnet, eine Aufgabe, die von den in den abgeschiedenen Klöstern lebenden Ordensfrauen nicht geleistet werden konnte. Auch als ihre Arbeit entdeckt worden war und der Erzbischof von Canterbury Suchaktionen organisierte, um sie gefangen zu nehmen, verließ sie England nicht und bliebt weiterhin im Untergrund tätig. Oftmals betonte Maria Ward die Gleichstellung von Mann und Frau. Beispielsweise war sie der Meinung, man müsse die Wahrheit Gottes lieben, was sowohl Männer als auch Frauen gleichermaßen leisten könnten. Die Wahrheit Gottes bestehe darin, dass wir das, was wir zu tun haben, gut tun, wodurch das innere Feuer mit Gottes Hilfe erhalten bleibe.

Großer Applaus brandete auf, als Sr. Ursula ihren beeindruckenden Vortrag beendete, der gerade auf die biblischen Wurzeln der revolutionären Aktivitäten Maria Wards hinwies und anschaulich verdeutlichen konnte, dass die Freiheitsgeschichte der Menschheit in der Freiheitsbotschaft des Evangeliums fundiert ist.

Manuela Kiehl, Q 11, und Dr. Jürgen Schmelter