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Besinnungstage der Q 11 in Taizé 2013

Am Sonntag, den 03.02.2013, fuhren 14 Schülerinnen und zwei Lehrkräfte, Frau Rendchen und Herr Dr. Schmelter, vom südlichen Schlossrondell Nymphenburg aus nach Burgund in Frankreich, um dort vier Tage in der communauté de Taizé zu verbringen.

Diese Fahrt nach Taizé, die im Rahmen der Besinnungstage der Q 11 stattfindet, stellt mittlerweile schon eine gute Tradition dar, denn sie erfolgte in diesem Jahr bereits zum fünften Mal. Gewissermaßen zum Inventar gehören die zwei bewährten Busfahrer, Michi und Charly, die uns wieder umsichtig und sicher in den kleinen französischen Ort brachten und es auch nicht versäumten, frischen Kaffee bei den zwei Ausflugsfahrten bereitzuhalten. Wer das in Taizé zur Verfügung stehende Heißgetränk schon einmal kosten durfte, weiß um das Verdienst unserer beiden Fahrer. Pünktlich um acht Uhr morgens starteten wir und erreichten Taizé nach zwei Pausen gegen 18:00 Uhr, nachdem wir ca. 750 Kilometer hinter uns gebracht hatten.

So erwartete uns zunächst die Anmeldung im „Weltdorf für innere Abenteuer“, wie Taizé auch charakterisiert wird: Wie immer dauerte dieser Verwaltungsakt im Haus „La Morada“ seine Zeit, da in Taizé alles ziemlich „entschleunigt“ erledigt wird. Nachdem aber Formulare, ein Stempel und auch ein Stempelkissen gefunden waren, erhielten unsere Schülerinnen ihre drei Zimmer zugeteilt. Die Lehrkräfte bekamen einfachste Zimmer im Pilgerhaus „El Abiodh“ zugewiesen. Im Gegensatz zu den früheren Jahren befanden sich aber schon deutlich mehr Pilger auf dem Gelände, so dass es auch in der Halle, in der das Essen eingenommen wurde, deutlich enger zuging. Insgesamt hielten sich ca. 200 PilgerInnen vor Ort auf, und zwar aus Belgien, Frankreich, Niederlande, Deutschland, Polen und Tschechien. Dazu kommen die „Permanents“, die sich dazu entschieden haben, einen längeren Zeitraum in Taizé zu verbringen. Jetzt im Februar wurden auch die ersten Großzelte auf dem Gelände aufgebaut, damit in den Sommermonaten an die 6.000 Jugendliche aufgenommen werden können, was wiederum eine nicht kleine logistische Herausforderung für die Brüder der communauté und ihre HelferInnen darstellt.

Da Ende Januar erst die letzten Brüder aus der Stadt Rom zurückgekehrt waren, in der zum Jahreswechsel 2012/2013 das Europäische Jugendtreffen stattgefunden hatte, fand an diesem Sonntag ein besonders festlicher Gottesdienst statt, in dem für die Brüder der communauté die Erneuerung der Gelübde im Mittelpunkt stand. Im Abschlussgespräch mit Frère Timotheus erfuhren wir dann später, dass die beiden Brüder, die sich bei der genannten Zeremonie nicht auf den Boden ausgestreckt, sondern nur niedergekniet hatten, als „Postulanten“ diese Gelübde, für immer Christus nachzufolgen, eben noch nicht abgelegt haben. Gerade dieser und die weiteren Gottesdienste, die dreimal am Tag stattfanden – um 08:15 Uhr das Morgengebet, um 12:20 Uhr das Mittagsgebet und um 20:30 Uhr das Abendgebet – bildeten mit ihren bekannten Gesängen wie „Laudate omnes gentes“, „Meine Hoffnung, meine Freude“, „Jésus le Christ“, „Bless the Lord“, „Behüte mich Gott“, „Veni lumen cordium“ oder „Toi, tu nous aimes“ – um nur einige der bekanntesten “Meditationen in Liedform” zu nennen, den spirituellen Höhepunkt dieser Besinnungstage. Gerade dieses gemeinsame Singen, Beten und Schweigen sowie Meditieren beeindruckte jede Einzelne unserer Schülerinnen. Vor allem die Tatsache, einmal in völliger Ruhe zu sich selbst zu finden, hoben sie als das Besondere dieser Besinnungstage hervor. Es beeindruckt jeden schon sehr, wenn dreimal am Tage in einem Gottesdienst jeweils zehn Minuten geschwiegen wird und tatsächlich absolute Ruhe herrscht.

Um auch einmal das Angebot eines in der communauté gefeierten katholischen Eucharistie-Gottesdienstes kennenzulernen, der immer morgens um 07:30 Uhr vor dem ersten großen Taizé-Gottesdienst in der Krypta der Kirche stattfindet, besuchten die zwei erwachsenen Begleiter am Dienstagmorgen diese Messe. Zelebriert wurde sie von drei Priestern, einem Polen, einem Italiener und einem Franzosen, die die Lesungen jeweils in ihrer Landessprache bzw. auf Englisch vornahmen. Der Hauptzelebrant sprach die liturgischen Texte auf Italienisch. An diesem Gottesdienst in der Unterkirche nahmen ca. 30 Gläubige teil, die dann wiederum auch den Hauptgottesdienst am Morgen besuchten. Man muss aber klar feststellen, dass dieser Gottesdienst in der Krypta keinesfalls die spirituelle Qualität der Hauptgottesdienste erreichen kann, sondern eher die Gottesdienstform repräsentiert, die jeder aus seiner Heimatgemeinde kennt.

Jeweils im Anschluss an diese Gottesdienste werden die bewusst einfach gehaltenen Mahlzeiten eingenommen, die aber durchaus sättigen können. Wer noch Hunger verspürt, kann auch meist seinen Teller zweimal füllen. Bevor das Essen eingenommen wird, werden die zahlreichen Dienste organisiert, wie z. B. das Austeilen des Essens und das Spülen des Geschirrs. Direkt vor Beginn der Mahlzeit wird während des Anstehens ein Taizélied gesungen, das die meisten der TeilnehmerInnen sogar auswendig mitsingen können.

Nach dem Frühstück fanden Gesprächsrunden statt, in denen in ein biblisches Thema durch einen Bruder der communauté eingeführt wurde. So stand beispielsweise am Dienstag das Thema „Abraham“ auf dem Programm, der den Menschentypus repräsentiert, der sich in einer Aufbruchs- und Ausbruchsituation befindet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten sich hier beispielsweise überlegen, ob auch in ihrem Leben solche Momente zu finden sind und wie sie aussehen. Im Anschluss daran bestand dann die Möglichkeit, darüber ins Gespräch zu kommen, was natürlich von der Gesprächsbereitschaft und der Offenheit eines jeden Einzelnen abhing.

Am Montag und am Mittwoch – hier standen unsere Freizeitblöcke an – fuhren wir mit dem uns vor Ort zur Verfügung stehenden Bus nach Cluny und nach Beaune: Cluny, eine Kleinstadt im französischen Département Saône et Loire, hat 4.638 Einwohner und liegt am Fluss Grosne. Bekannt wurde Cluny vor allem durch die nach der Französischen Revolution zerstörte mittelalterliche Abtei, die im Laufe des Mittelalters das geistige Zentrums Europas darstellte und die Machtpolitik der Päpste fundierte, was schließlich zum gravierenden Konflikt mit dem Königtum und schließlich zum Investiturstreit führen sollte. Im Abtei-Museum hatten wir die Möglichkeit, den 3-D-Film „Maior ecclesia“ anzuschauen, der in beeindruckender Weise auf der Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse das Innere von Cluny, wie es sich im 15. Jahrhundert präsentierte, rekonstruiert. Der Gang durch das Museum wurde dann durch den Besuch eines Cafés abgeschlossen, in dem die Schülerinnen sehr gerne und ausgiebig die Möglichkeit nutzten, französische Süßspeisen wie Mousse auch Chocolat oder Crème brûlée (beides mit zusätzlicher Schlagsahne) zu verspeisen.

Am Mittwoch fuhren wir nachmittags mit dem Bus nach Beaune. Hier besichtigten wir das Hospiz des Hôtel-Dieu, ein ehemaliges Krankenhaus, das im Jahre 1443 gegründet und bis 1971 als Hospital genutzt wurde. Es gewährt heute einen interessanten Einblick in die Krankenpflege der frühen Neuzeit. Besonders beeindrucken hier der prächtige Innenhof sowie der Blick auf die farbigen Dachziegel, die aus verschiedenartigen, glasierten Terrakottasteinen bestehen, und der noch im Original erhaltene „Armensaal“ des Hospizes: Der große Armensaal mit Kapelle stellt – wie der Namen erkennen lässt – den größten Saal der Krankenpflege dar und beherbergte noch bis zum Jahre 1951 Kranke und Arme. Das Mobiliar besteht aus 30 Betten in zwei Reihen, in denen jeweils zwei Personen lagen. Dieses erfolgte nicht aus Platzgründen, sondern um den Patienten die Möglichkeit zu geben, sich gegenseitig zu wärmen, denn eine Heizung existierte nicht. Zwischen diesen beiden Touren war unsere Gruppe am Dienstag zu Reinigungsarbeiten eingeteilt und bewährte sich bei der Säuberung der sanitären Anlagen der Unterkünfte für die Besucherinnen und Besucher Taizés.

Am letzten Abend lud uns Frère Timotheus zu einer Gesprächsrunde ein, in der die Schülerinnen noch einmal die Gelegenheit erhielten, ihren Aufenthalt in Taizé zu reflektieren und auch Fragen zu stellen. Nach dem Morgengottesdienst verließen wir dann Taizé und erreichten am Abend – nach einer Fahrt durch dichtes Schneegestöber – wieder München, und zwar nicht wenige mit dem festen Vorsatz, Taizé einen weiteren Besuch abzustatten.

Dr. Jürgen Schmelter