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Das moderne Pentathlon am Maria-Ward-Gymnasium

Im Rahmen des W-Seminars Sport „Olympia – Dabei sein ist alles“ (2010/12) beschäftigte ich mich mit dem antiken Pentathlon und seiner Umsetzung in die heutige Zeit. Ich entwickelte hierfür veränderte Disziplinen und führte den Wettkampf im Sportunterricht der Q 12 durch.
Hier einige Auszüge aus meiner Seminararbeit.

Das moderne Pentathlon ist eine Umsetzung der antiken Disziplinen Diskuswurf, Sperrwurf, Laufen, Weitsprung und Ringen, die im Rahmen von Olympischen Spielen veranstaltet wurden. Vor allem in Bezug auf den kultischen Charakter antiker olympischer Spiele wurden einige Änderungen von mir vollzogen.
Die modifizierte Form des Pentathlon sieht vor, die Athletinnen nicht mehr nackt oder nur mit Lendenschurz bekleidet, antreten zu lassen. Getragen wird Sportbekleidung.
Auch die Tatsache, dass die Teilnehmer ausschließlich weiblich sind, stellt einen erheblichen Kontrast zur Antike dar.
Das Pentathlon dient auch nicht mehr der Kriegsvorbereitung, sondern lediglich der körperlichen Ertüchtigung, was ebenso als Antithese zur antiken Form steht.


Die modernen Disziplinen

Die Disziplinen des modernen Pentathlons basieren auf der Grundlage der antiken Disziplinen. Alle Modifikationen, wie nachfolgend beschrieben, sind demnach Veränderungen, die das Pentathlon modern und schülergerecht werden lassen. Wie in der Antike müssen auch die modernen Fünfkämpferinnen alle Disziplinen an einem Tag absolvieren. Den krönenden Abschluss bildet auch hier der Ringkampf, bei dem Mann gegen Mann oder Frau gegen Frau um den Sieg kämpfen.


1. Tanzender Diskuswurf

Das Sportgerät der Antike war ein Diskus aus Kupfer, Eisen, Marmor oder Blei. Dieser muss beim modernen Diskuswurf einer leichten Frisbeescheibe aus Plastik weichen. Die Abwurfmarkierung darf nicht übertreten werden. Dann wird das Frisbee geworfen. Landet das Frisbee in der sektorförmigen Fläche und die Athletin übertritt nicht, ist der Wurf gültig.
Die Technik für den modernen Frisbeewurf ist, in Anlehnung an die Antike, künstlerisch geprägt. Vor dem Wurf steht die Pentathletin, das Frisbee in der Wurfhand, mit dem Körper von der Wurfanlage abgewendet. Es werden ein paar tänzelnde Schritte in einer Halbdrehung vollführt, bis der Blick in Richtung Wurfanlage geht. Aus dieser Bewegung heraus wird das Frisbee abgeworfen.
Zusätzlich zu dem komplexen Bewegungsablauf gilt es den richtigen Abwurfwinkel und die richtige Abwurfhöhe zu finden.


2. Weitsprung oder ein großer Satz

Der Weitsprung des modernen Pentathlons ist ein Standsprung, also eher ein großer Satz. Von der Absprungmarkierung aus springt die Athletin mit beiden Beinen ab und landet wieder mit beiden Beinen auf einer Niedersprungmatte.
Ebenso, wie in der Antike die Haltere, werden Hanteln als Sprunggewichte eingesetzt. Die Pentathletinnen halten in jeder Hand bis zu zwei Kilogramm Gewicht. Das Schwingen dieser Hanteln und das nach vorne Reißen beim Absprung verhilft aufgrund der Fliehkraft zu mehr Weite. Setzt man die Gewichte richtig ein und schwingt sie kurz vor der Landung nach hinten, erfährt man durch die Schubkraft einen Vortrieb. Die richtige Technik ist daher enorm wichtig, um eine größtmögliche Weite zu erzielen.


3. Der heulende Speerwurf

Das Sportgerät des modernen Pentathlons unterscheidet sich grundlegend von dem der Antike. Die dort eingesetzten Holzspeere mussten weichen. Speere für die Halle aus Schaumstoff und Plastik ersetzen ihren Platz. Außerdem kommen so genannte Heuler ins Spiel, die als Wurfobjekt die Disziplin „heulender Speerwurf“ ergänzen.
Geworfen wird, je nach Belieben aus dem Stand oder mit Anlauf. Der Heuler, beziehungsweise der Speer, muss innerhalb der begrenzten sektorförmigen Fläche landen. Die Anlage ist dieselbe wie für den Diskuswurf.
Analog zum antiken Pentathlon ist äußerste Präzision beim Werfen des Geräts gefordert. Ein kleiner Drall und der passende Abwurfwinkel bringen dem Flugobjekt größtmögliche Weite.


4. Stadionlauf

Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, welche Distanz die antiken Pentathleten bei der vierten Disziplin, dem Laufwettbewerb, zurücklegen mussten.
Wegen der großen Anstrengung durch die ersten drei Disziplinen ist es jedoch nahe liegend als Laufwettbewerb den „Stadionlauf“ durchzuführen. Die Athletinnen stellen sich hierfür hinter der Startlinie nebeneinander auf. Dem direkten Vergleich zu den Mitstreiterinnen ausgesetzt, wird eine Runde in der Dreifachhalle gelaufen. Überqueren sie die Startlinie, die gleichzeitig als Ziellinie fungiert, ist der Lauf beendet. Die Zeit spielt bei diesem Wettkampf keine Rolle. Die Reihenfolge, in der die Sportlerinnen das Ziel passieren, ist relevant und wird notiert.


5. Ringen wie die Großen

Der moderne Ringkampf dient, anders als in der Antike, nicht der Vorbereitung auf den Zweikampf im Krieg. Aus diesem Grund ist es auch nicht erlaubt, den Gegner zu Boden zu schleudern, was beim antiken Ringen gewinnbringend war.

Die transformierten Regeln sehen als Ziel vor, den Gegner aus dem markierten Mittelkreis der Sporthalle zu drängen. Berührt nun eine der beiden Sportlerinnen mit einem Körperteil den Boden außerhalb des markierten Bereichs, ist der Kampf verloren.
Abgesehen von dieser Veränderung, sind die Regeln für den Ringkampf nahezu gleich geblieben. Wie bei den großen Ringern der Antike ist Schlagen, Kratzen, Beißen, Treten, Zwicken, Würgen und Spucken verboten. An den Haaren ziehen, Finger verdrehen und Knochen brechen ist ebenfalls nicht erlaubt. Die Einhaltung dieser Vorschriften wird durch Schiedsrichter beaufsichtigt. Jegliche Verstöße werden mit Disqualifizierung geahndet.


Eine Retrospektive über den Maria – Ward - Pentathlon

Aus meiner Sicht war die Durchführung des modernen Pentathlons ein voller Erfolg. Eingebettet in den Rahmen olympischer Spiele wurde eine Siegerehrung für die erste Gewinnerin des modernen Pentathlons durchgeführt. Mit einem Lorbeerkranz wurde sie geehrt und von allen Zuschauern gefeiert.
Spätestens an diesem Punkt habe ich gemerkt, dass sowohl die Athletinnen als auch die Zuschauerinnen die olympische Atmosphäre gespürt haben.
Das moderne olympische Motto lautet: „Dabei sein ist alles“. Möge der olympische Gedanke in den Herzen der Schülerinnen weiter getragen werden und so ein sportliches, faires Miteinander ermöglichen.


Susanne Natter, Q12