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Besinnungstage der Q 11 in Taizé

Während 59 Schülerinnen der Q 11 die dreitägigen Besinnungstage im Kloster St. Ottilien verbrachten, fuhren die anderen 18 Schülerinnen
nach Taizé und folgten damit der Einladung der Communauté, um hier Gemeinschaft mit Gott zu suchen: im gemeinsamen Gebet, im Singen,
in der Stille, im persönlichen Nachdenken und in Gesprächen mit anderen.

„Wenn es euch doch so gut in Taizé gefällt, dann hängt ihr einfach einen Tag dran!“, meinte Frère André, der unsere Gruppe am Mittwochabend zu einem Abschlussgespräch eingeladen hatte. Dieser Vorschlag ließ sich leider nicht in die Realität umsetzen, hatten wir doch schon einen zusätzlichen unterrichtsfreien Tag von der Schulleitung bewilligt bekommen. Um überhaupt nach Taizé fahren zu können, waren wir am Sonntag schon morgens um sechs Uhr aufgestanden, damit wir, eine Gruppe von 18 Schülerinnen, die von Sr. Hanna Großmann OSB und Herrn Dr. Schmelter begleitet wurde, pünktlich am 29. Januar 2012 vom südlichen Schlossrondell aus nach Burgund starten konnten.

Taizé, das „Weltdorf für innere Abenteuer“, erreichten wir dank des Einsatzes der bewährten Busfahrer Michi und Charly bereits am späten Nachmittag. Nach dem Empfang im Haus „La Morada“ und der auch in diesem Jahr wieder ziemlich „entschleunigt“ stattfindenden Erledigung der Formalitäten wurden uns dann die Räume zugewiesen. Platz gibt es in den Wintermonaten genug, denn mit uns verbrachten insgesamt „nur“ 150
PilgerInnen aus Belgien, Korea, Deutschland, Polen, Tschechien einige Tage in der Communauté, während in den Sommermonaten an die 6.000 Menschen zusammenkommen. Am ersten Abend blieb noch Zeit, vor dem Essen den Gottesdienst zu besuchen, der die Erneuerung der ewigen Gelübde derjenigen Brüder, die diese bereits abgelegt hatten, in den Mittelpunkt stellte. In diesem Jahr nahmen an dieser Zeremonie auch die Brüder teil, die sonst nicht in Taizé leben, sondern im Rahmen von „fraternités“ in sozialen Brennpunkten Afrikas, Amerikas, Asiens und Europas mit dem Ärmsten der Armen als konkrete Geste mitmenschlicher Solidarität zusammenleben. Während die Novizen niederknieten, streckten sich ihre Mitbrüder vor dem Altar auf dem Boden aus und erneuerten damit ihr Versprechen, Christus nachzufolgen.

Gerade dieser und die weiteren Gottesdienste, die dreimal am Tag stattfanden – um 08:15 Uhr das Morgengebet, um 12:20 Uhr das Mittagsgebet und um 20:30 Uhr das Abendgebet – bildeten mit ihren bekannten Gesängen wie „Laudate omnes gentes“, „Meine Hoffnung, meine Freude“, „Jésus le Christ“, „Bless the Lord“, „Behüte mich Gott“ oder „Nada te turbe“ – um nur einige der bekanntesten „Meditationen in Liedform“ zu nennen, den spirituellen Höhepunkt dieser Besinnungstage.
Gerade dieses gemeinsame Singen, Beten und Schweigen hoben unsere Schülerinnen als den spirituellen Höhepunkt dieser Tage hervor, die ihnen ermöglichten, einmal in völliger Ruhe zu sich selbst zu finden. Es beeindruckt jeden schon sehr, wenn dreimal am Tage in einem Gottesdienst jeweils zehn Minuten geschwiegen wird und tatsächlich absolute Ruhe herrscht.

Im Anschluss an diese Gebete wird jeweils das bewusst einfach gehaltene Essen eingenommen, das aber durchaus sättigen kann, aber wenig Nährstoffe bietet. Dieser Tatbestand bildet den Grund dafür, dass die Brüder der Communauté, die hier schließlich immer leben, andere Mahlzeiten zu sich nehmen, erfuhren wir beispielsweise auch im Rahmen des Abschlussgespräches.

Jeweils am Morgen finden im Anschluss an das Frühstück Gesprächrunden statt, in denen ein biblisches Thema im Vordergrund steht, beispielsweise wie in dieser Woche die Urgeschichten im Buch Genesis, über die dann von einem Bruder informiert und anschließend in verschiedenen Gruppen diskutiert wird.

In den Freizeitblöcken fuhren wir mit dem uns vor Ort zur Verfügung stehenden Bus nach Cluny und Beaune. In Cluny besichtigten wir die Reste der Abteikirche, die im Mittelalter das geistige Zentrum Europas darstellte, und das Abteimuseum. Europas größte Basilika wurde im Verlauf der Französischen Revolution zerstört. Heute wird aufwändig versucht, die Fragmente zu rekonstruieren. Während unserer Exkursion begleitete uns für zehn Minuten ein freundlicher Führer, der uns einiges Wissenswerte anschaulich erklärte, bevor er sich anderen Aufgaben widmen musste.
Am Dienstag war unsere Gruppe für Reinigungsarbeiten eingeteilt und bewährte sich beispielsweise beim Putzen des Essensaals oder beim Reinigen der Toiletten im Empfangsgebäude.
Am letzten Tag fuhren wir nachmittags mit dem Bus nach Beaune. Hier besichtigten wir das Hospiz des Hôtel-Dieu, ein Krankenhaus, dessen Bau im Jahre 1443 begonnen und im Jahre 1451 abgeschlossen wurde. Besonders beeindruckten hier der prächtige Innenhof sowie der Blick auf die farbigen Dachziegel und der noch im Original erhaltene „Armensaal“ des Hospizes. Es blieb dann noch ein wenig Zeit, um durch das Zentrum Beaunes zu spazieren.

Am letzten Abend luden die koreanische und auch die belgische Gruppe zu einem jeweils landestypischen Gesangsabend an, so dass sich auch unsere Schülerinnen überlegten mussten, welche Lieder sie denn vortragen wollten.

Da am Donnerstag, dem Fest Mariae Lichtmess, der Gottesdienst erst später beginnen sollte, fuhren wir schon pünktlich um 08:00 ab und erreichten gegen Abend wieder München, und zwar die meisten mit dem festen Vorsatz, Taizé erneut einen Besuch abzustatten.

Dr. Jürgen Schmelter